Auftaktveranstaltung

Auftaktveranstaltung mit Anton Hergenhan im Haus der Offenen Tür


Gastredner zur Auftaktveranstaltung des Odenwald Hospizes war Anton Hergenhan, Psychologe und Buchautor aus München. Ihn begrüßte Vorsitzender Helmut Greulich vom Förderverein in seinen Willkommensworten ebenso herzlich wie die Zuhörerschaft und die Musiker und Musikerinnen des Akkordeonensembles der Siedler im voll besetzten Haus der Offenen Tür in Walldürn.

Anton Hergenhan, Psychologe und Buchautor aus München

Anton Hergenhan, Psychologe und Buchautor aus München

In sehr anschaulicher Art und Weise, ging der Vortragsredner auf psychologisch bedeutsame Momente bei Gesprächen mit Sterbenden ein. Dabei führte Hergenhan die seines Erachtens wichtigsten vier Punkte eines solchen Gespräches, wie sie Hospizmitarbeiter und Sterbebegleiter in ihrem Alltag erleben, auf. Diese sind:
Persönliche Präsenz, Nondirektivität, Wertschätzung und Gegenseitigkeit. In mehreren Fallbeispielen zeichnete er den Zuhörern sehr realistische Gesprächsinhalte bei Menschen in der letzten Lebensphase auf.
Besonders wichtig sei für den Sterbebegleiter hier die absolute persönliche Präsenz, die Fähigkeit, beinahe therapeutisch Gefühle aufzunehmen, diese ernst zu nehmen und auch die Intensität von Enttäuschungen beim Patienten wahr- und aufzunehmen um ein Feedback geben zu können.
Die Aussage von Sterbenden „zum ersten Mal in meinen Leben hört mir jemand zu, interessierte sich jemand für mich“ ist keine Seltenheit im Alltag von Hospiz- und Palliativkräften. Es gehe darum, dem Sterbenden die Gewissheit zu vermitteln, dass sich der Gesprächspartner für seine Gefühle interessiere.
Unter Nondirektivität präsentierte der Psychologe ein Beispiel einer Mutter, deren Tochter schon vor Jahren den Kontakt zu ihr abgebrochen hatte. In der nondirektiven Art und damit mit z.B. der Frage: „Haben Sie die Möglichkeit, Ihrer Tochter Ihre Gefühle und Gedanken mitzuteilen?“ oder „Ich hätte da eine Idee, möchten Sie diese Idee hören“ kann der Begleiter sich die Legitimation holen, eine Idee zur Kontaktaufnahme mit derTochter vorzuschlagen. Die Hospizarbeiter seien keine Interpretatoren sondern spiegelten das Erfahrene, indem sie es in eigenen Formulierungen ausdrücken.

Zum Punkt drei, der Wertschätzung führte Hergenhan aus, dass alles, was ein Sterbender positiv aufnimmt, alles was im Gespräch positiv auftaucht, zu erwähnen und verstärken sei. Angenehme Bemerkungen können in der Gesprächsfolge wiederholt und damit „fruchtbar“ werden, was Traurigkeit neu formen kann. Auch der Mut, den Sterbenden dafür zu loben, dass er Versäumnisse zugeben und Unerfreulichkeiten aus seinem Leben zugestehen kann, sei hoch zu bewerten und helfe dabei, ihm Wertschätzung zu vermitteln.

Zum Thema der Gegenseitigkeit erläuterte der Psychologe in seinem Vortrag, wie wichtig die Tatsache sei, dass Sterbebegleiter sich nicht nur als Helfer inszenieren. Sie sollten keine reinen Zuhörer sein, bei denen man „sich erleichtern kann“. Es gehe darum, eine echte Kommunikation im Wortsinne zu führen, ein gemeinsames Gespräch, kein Monologisieren. Es gelte, einen Austausch zu erreichen und dabei von sich selbst zu referieren, sich einzubringen und sich gestatten, Selbsterlebtes zu berichten. Erlebnisparallelen würden beiden Gesprächspartneren gut tun und seien von befreiender Wirkung. Und:“ Am Ende des Lebens lehren die Sterbenden die Lebenden“.

Eine größere Pause nach dem Vortrag konnte das Publikum dazu nutzen, sich mit Informationen am Stand des Fördervereines und am Büchertisch zu versorgen. Helmut Greulich führte außerdem aus, welche Bedingungen für eine Aufnahme in ein stationäres Hospiz zu erfüllen seien und warb für Mitgliedschaften und Patenschaften im Förderverein des Odenwald Hospizes in Walldürn, welches auf Spender und Sponsoren dringend angewiesen sei. Mindestens 10% der Betriebskosten müsse ein Hospiz selbst aufbringen.

Im zweiten Teil der Veranstaltung beantwortete der Münchner Gastredner Fragen aus der Zuhörerschaft. Unter anderen beschied er eine Frage nach der „Sprachlosigkeit“ bei Sterbenden mit dem Hinweis, dass Schweigen ein sehr großer Schatz sein und gemeinsam „erlebt“ werden könne.

Das Akkordeon-Ensemble der Walldürner Siedler begleitete den Abend musikalisch.Zum Entrée spielten die Senioren unter Leitung von Nelli Krug einen melancholisch anmutenden Tango von Astor Piazolla, danach Filmmelodien von Charly Chaplin bis „Amélie“und finnische Folklore. Das junge Ensemble „Akkordeon, Keyboard & Co.“ unter der selben bewährten Leitung brachte im zweiten Teil der Veranstaltung eine französische Musette, Filmmelodien aus „Jenseits der Stille“ und „Wie im Himmel“ und als Verabschiedungstitel „Super Trouper“ von Abba zu Gehör. Das Publikum zeigte sich angetan von der gelungenen Interpretation und der passenden Auswahl der Musikstücke und dankte mit freundlichem Applaus.

Den Dank an den Gastredner und an die Musizierenden überreichte in Form von Blumen Christa Greulich, die Frau des Förderverein-Vorsitzenden Odenwald Hospiz e.V..