Begleitung in der letzten Phase des Lebens


Von Michael Winter

In Walldürn wird Ende September ein stationäres Hospiz für schwerstkranke und sterbende Menschen eröffnet

In Walldürn wird demnächst eine neue stationäre Hospizeinrichtung eröffnet. Das ,,Odenwald Hospiz" mit zehn Plätzen schließt eine Lücke im Bereich der stationären Betreuung sterbender Menschen im Neckar-Odenwald-Kreis und darüber hinaus.

Kornradsblatt Ausgabe 38-2014Die derzeitige Debatte über neue gesetzliche Regelungen zur Sterbehilfe oder zur Beihilfe zum Suizid ist untrennbar verbunden mit der Frage, was getan werden kann, um sterbende Menschen besser zu begleiten, ihre Schmerzen zu lindern und ihnen ein würdevolles Sterben zu ermöglichen.

Kardinal Reinhard Marx hat als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz vor Kurzem die Forderung der katholischen Kirche nach einem Verbot jeglicher organisierter Sterbehilfe unterstrichen. Dabei verwies er auf eine wichtige Erfahrung vieler Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger: Fast alle Patienten im Sterbeprozess geben den Wunsch nach Tötung durch eigene oder fremde Hand auf, wenn die Schmerztherapie wirkt und sie die Nähe anderer Personen erfahren.

Das Projekt verdankt sich einer privaten Initiative

Auf diesem Hintergrund kommt der Hospizarbeit eine zentrale Bedeutung zu. Und es ist eine ebenso offenkundige wie erfreuliche Tatsache, dass die ambulanten Hospizdienste in den letzten Jahren einen kontinuierlichen Ausbau erlebt haben. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt dem Engagement vieler katholischer und evangelischer Christen in diesem Bereich.
Im Blick auf den Ausbau der stationären Hospizarbeit gibt es allerdings Lücken. Nicht so sehr in den Städten, sondern vor allem in den ländlichen Gebieten. Möglicherweise hat das auch einen positiven Hintergrund: Die sozialen und familiären Bindungskräfte sind auf dem Land noch etwas stärker ausgeprägt und kommen auch im Blick auf die Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen zum Tragen.
Aber das ändert sich. Dass die Kinder und Kindeskinder in räumlicher Nähe zu den Eltern und Großeltern wohnen, ist inzwischen auch in den ländlichen Gebieten eher die Ausnahme als die Regel. Und selbst wenn dies der Fall ist, sind die Betroffenen wie auch deren Angehörige vielfach auf Hilfe angewiesen.
Umso bemerkenswerter ist es, dass demnächst in Walldürn ein stationäres Hospiz eröffnet wird. Zehn Plätze soll es dort geben - für Menschen, die sich in der letzten Phase ihres Lebens befinden und in besonderer Weise der medizinischen, schmerztherapeutischen, pflegerischen und menschlichen Begleitung bedürfen.
Dass dieses Projekt möglich wurde, ist einerseits einem ortsansässigen früheren Unternehmer zu verdanken, der von sich aus die Initiative ergriff und die Finanzierung des Gebäudes übernahm. Zum anderen aber gibt es inzwischen viele Menschen in und um Walldürn, die sich für das Projekt engagieren. Dadurch wurde es möglich, sowohl einen “Förderverein Odenwald Hospiz e.V.“, als auch einen „Odenwald Hospizverein e.V.“ ins Leben zu rufen. Beide Vereine bilden zusammen mit einer Gesellschafterin die Trägerorganisation des Hospizes.

Jährlich ist ein Defizit von 100 000 Euro auszugleichen

Mit im Boot sind auch Menschen aus den Walldürner Kirchengemeinden. Helmut Greulich beispielsweise, der den Vorsitz des Fördervereins übernommen hat. Dessen Aufgabe besteht in erster Linie darin, das unvermeidbare finanzielle Defizit auszugleichen, das Jahr für Jahr entstehen wird. Die Krankenkassen tragen bei stationären Hospizen lediglich 90 Prozent der anfallenden Kosten. „Zehn Prozent müssen wir selber tragen“, so Helmut Greulich. „Bei zehn Plätzen sind das im Jahr rund 100 000 Euro.“
Deshalb wirbt der Förderverein unablässig um neue Mitglieder und um Spenden. Damit zusammen hängt auch das Anliegen des Vereins, „die Idee des Hospizes immer stärker im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern“, wie Helmut Greulich betont. AIs „Botschafter“ machen sich neben dem Kabarettisten Rolf Miller und der Bundestrainerin der Frauen-Fußballnationalmannschaft, Silvia Neid, die beide aus Walldürn stammen, auch die Leiter der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde, Pater Josef Bregula und Pfarrer Karl Kreß, für das Projekt stark.
Helmut Greulich ist zuversichtlich. Es komme immer öfter vor, dass sich Gruppierungen oder Vereine von sich aus engagieren, so der Vorsitzende des Fördervereins. Fest steht: die künftige Bedeutung des „Odenwald Hospizes“ ist kaum zu überschätzen. Es ist die einzige Einrichtung dieser Art im Umkreis von 60 Kilometern. Nach der Einweihung am 27. September und einem darauf folgenden „Tag der offenen Tür,“ nimmt das Haus am 1. Oktober 2014 seinen Betrieb auf.

Hinweis

Das "Odenwald Hospiz" in Walldürn wurde in der Pater-Josef-Eckstein Straße beim Pflegeheim Maria Rast erbaut. Es wird am Samstag 27. September um 10.00 Uhr, eingeweiht (Feier mit geladenen Gästen). Tags darauf, am Sonntag, 28. September, besteht bei einem, “Tag der offenen Tür“ für alle Interessierten die Möglichkeit, sich über die Einrichtung zu informieren.

Kontakt: Förderverein Odenwald Hospiz e.V.
Helmut Greulich
Schönbornstraße 25
74731 Walldürn
Telefon/Fax: (0 62 82) 81 70
E-Mail: h.greulich@odenwald-hospiz.de
Internet: www.odenwald-hospiz.de

Konradsblatt Ausgabe 38-2014
Mit freundlicher Genehmigung