Beiträge – Pflegekräfte

Mit freundlicher Genehmigung von Frau Andrea Hart:
Mein Name ist Andrea Hart, ich arbeite seit Eröffnung im Jahr 2014 im stationären Hospiz in Walldürn. Die Hospizarbeit jedoch ist schon lange meine Leidenschaft und ich habe in jahrelanger beruflicher und ehrenamtlicher Tätigkeit viele Menschen beim Sterben begleiten dürfen.

Dabei habe ich immer wieder festgestellt, dass jedes Sterben einzigartig ist. Auch bei derselben Krankheit mit denselben Symptomen und Beschwerden ist es unmöglich den Angehörigen einen genauen Zeitpunkt zu nennen wann die endgültige Abschiedsstunde mit dem geliebten Menschen gekommen ist.

Die Frage  verbunden mit vielen Unsicherheiten und Ängsten bedingt oft die Tatsache, dass die Angehörigen oft mehr Betreuung benötigen als der Sterbende selbst. Sie möchten mit aller Macht, z.B. dass der Sterbende noch isst und trinkt, obwohl der Körper klar signalisiert, dass dies ihm mehr schadet als nützt. Dies zu akzeptieren ist oft ein beschwerlicher und langer Weg.

Der Sterbende selbst spürt oft schon lange, dass das Ende seines Lebens nahe ist und spielt vor den Angehörigen den Starken, um sie zu schonen- was oft auch umgekehrt funktioniert. Nicht die körperliche Pflege der Menschen, sondern das Sehen dieser psychischen Diskrepanzen, Vermitteln und Aushalten in diesen Situationen das ist eigentliche Hospizarbeit.

Für die Sterbenden selbst ist der Tod nicht immer schreckhaft, sondern wird nach oft jahrelanger Leidenszeit  sehnsüchtig erwartet. Im Hospiz können wir ihnen diese Beschwerden lindern und manchmal auch nehmen. So genießen sie ihre verbleibenden guten Tage und sehen dann dem Sterben gelassen entgegen.

 

Mit freundlicher Genehmigung von Frau Martina Iraschko:
Mein Name ist Martina Iraschko und ich arbeite seit dreieinhalb Jahren in der Hospizarbeit und seit Januar dieses Jahres bin ich im Odenwald Hospiz in Walldürn als Krankenschwester und Palliative Care Pflegekraft beschäftigt.

Was kann ich berichten aus meiner Erfahrung. Die Hospizarbeit hat mich verändert. Langsam aber stetig. Ich lebe heute bewusster,  intensiver, setzte meine Prioritäten anders und bin zufriedener, gelassener, selbstbewusster.

Die Arbeit so nah an den Menschen, die schwerkrank sind und bald sterben werden, lässt eine Tiefe und Ehrlichkeit zu, die ganz viel Leben wieder spiegelt. Denn was zählt am Ende? Doch nur der Mensch, die Menschlichkeit und die Beziehung miteinander. Auch die Angehörigen und Freunde sind trotz Traurigkeit und Schwere dankbar da zu sein.

Besonders der Rahmen im Hospiz, nimmt den Alltagsdruck und bietet ein gutes Umfeld, sorgt für Linderung der Beschwerden, lässt die letzten Wochen, Tage, Stunden erträglicher, freudiger und friedlicher sein. Es findet in dieser intensiven kurzen Zeit ganz viel Leben statt. Wir lachen und weinen, sind traurig und froh.

Sterbende und ihre nahestehenden Personen finden sich manchmal nochmal neu. Dinge die im Leben wichtig erschienen und oft einen Graben haben aufbrechen  lassen, erscheinen plötzlich ganz leicht diesen zu überwinden. Im Blick auf die Endlichkeit des irdischen Lebens, sieht man die Welt mit neuen Augen. Das ist ein Geschenk das uns sterbende Menschen  schenken und wir können mit Herz und Hand unsere Sterbenden begleiten und führen bis an das Tor, sie sanft loslassen und ihnen eine gute Reise wünschen.

Das Leben mit dem Tod, schenkt neue Perspektiven für das Leben. Davon bin ich überzeugt und dankbar.

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