Buchener Konzertchor „Cantamus“ gestaltete geistliches Programm

Als Prolog für eine einwöchige Irlandreise gestaltete der Buchener Konzertchor „Cantamus“ ein geistliches Programm mit klassischer Chormusik in der Basilika. ( Bild: Bernhard Böhrer)

Mit einem homogenen Chorklang aller Stimmgruppen begeisterte der Buchener Konzertchor „Cantamus“ das Publikum in der Basilika.

Als Auftakt seiner einwöchigen Chorreise nach Irland präsentierte der Buchener Konzertchor „Cantamus“ unter der Leitung von Michael Wüst ein geistliches Programm mit klassischer Chormusik in der Basilika. Konzipiert wie eine a-cappella-Andacht, begann „Cantamus“ das Programm mit einem „Introitus“ mit dem Kyrie und Sanctus der „Missa in G“ von Josef Gabriel Rheinberger. Gleich zu Beginn merkten die zahlreichen Konzertbesucher, wie homogen und geschlossen der Chorklang in allen Stimmgruppen in der Akustik der Basilika wirkt. Im folgenden Themenblock „Tod und Auferstehung Christi“ bot der gemischte Chor, bestehend aus 35 Sängern „Popule meus“ von Tomás Luis de Victoria aus dem späten 16. Jahrhundert. Die warm und sicher gestalteten Soloeinlagen von Bass-Bariton Siegfried Müller überzeugten, wie auch der chorische Dialog mit dem Schöpfer der Erde. In diesem Teil des Programms sang der Chor auch zwei Bearbeitungen von Michael Wüst.

Mit „O du stille Zeit“ schaffte „Cantamus“ einen ruhigen Pol mit schlicht vorgetragenen Klängen. Während des Zweiten Weltkriegs komponiert, kann das beliebte Chorstück auch als Flucht aus dunklen Zeiten in eine bessere „innere“ Welt gedeutet werden. In tiefer und hoher Lage, Dissonanzen auskostend, wurden die Wörter von Eichendorff stimmig bearbeitet und vom Chor obertonreich in offenen Akkorden schlüssig und fließend dargeboten.

Daraufhin erklang, wieder zum Thema Glaube und Hoffnung, Mendelssohns dreistimmiger Frauenchorsatz „Hebe deine Augen auf“ aus dessen Oratorium „Elias“. Darauf folgte der älteste liturgische Gesang in deutscher Sprache: „Christ ist erstanden“ aus dem 12. Jahrhundert wurde von Michael Wüst bearbeitet, ohne den gregorianischen Charakter zu schmälern, einmal als Bicinium zwischen Alt und Sopran, und dann teils in Kanonfuge mit dem ganzen Chor.

Der größte Zeitsprung des Programmes folgte mit „Herr, bleib bei uns“ von Rheinberger, das wohl bekannteste Werk auf der Irlandreise. Die Chorsänger interpretierten die Motette aus 1855 des nur 15-jährigen Komponisten mit klarer Diktion, schöner Phrasierung und klangstarken Höhepunkten. Obwohl fast inhaltsgleich, spricht das Kirchenlied „Abide with me“ vom englischen Organisten William Henry Monk mehr als die Erscheinung Jesu bei Emmaus an: Gottes Beistand wird erhofft und herbeigesehnt, wie sich dies in den Worten „Immer größer wird die Dunkelheit, Herr, bleib bei mir!“ ausdrückt, die in der dritten Strophe von Anna Wiener auf englisch solistisch klangschön vorgetragen wurden.

Im Themenblock der „Dreifaltigkeit“ ließ „Cantamus“ sein weitläufiges internationales Repertoire erahnen, denn – wieder in der Bearbeitung von Michael Wüst – erklang die italienische „Alta Trinità beata“ aus dem 14. Jahrhundert. Dieser alte lateinische Hymnus wurde variantenreich wie stilvoll mit tiefem Bordun, kantablen Diskantlinien und energischem Rhythmus bearbeitet, wobei der Chor zum ersten Mal im Konzert im vollen forte aussang.

„Cantate Domino“ des ungarischen Komponisten László Halmos folgte darauf und ließ durch belebte Figuren, schlichte homophone Akkorde und versetzte Einsätze der Stimmgruppen Echoeffekte und die Freude des Dankliedes erstrahlen. Nach diesem Ausbruch der Freude kehrte im Themenblock „Geheimnis des Glaubens“ durch das „O sacrum convivium“ des italienischen Komponisten Giovanni Croce wieder innere Einkehr zurück. Als Vorgänger von Monteverdi am Markusdom in Venedig, hat Croce im fließend-kontrapunktischen Palestrina-Stil ein Werk wie für eine Kathedrale gemacht. Das romantische und auch hoch chromatische „Ave Verum Corpus“ von Saint-Saëns schloss in einem langen Amen im legato den Themenblock ab.

Die Huldigung an die Jungfrau Maria, „Bogoroditse Djevo“, von dem bedeutendsten lebenden Komponisten für Chor und Neue Musik, dem Esten Arvo Pärt, wurde hoch expressiv und deklamatorisch lebendig zum Besten gegeben.

Im letzten Teil des Konzerts stand das Thema „Ehre sei Gott“. Das hochromantische, englische „As torrents in summer“ von Edward Elgar betonte die innere Stärke des Glaubens trotz aller Widrigkeiten und wie Menschen „mit verzagtem Herzen plötzlich aufblühen, verwundert, und ohne zu wissen, dass Gott irgendwo tief in ihnen gewirkt hat“.

Mit Karl Jenkins’ „God shall wipe away all tears“ sang der Chor sinngemäß „Gott wird abwischen alle Tränen und es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid, kein Wehklagen und keinen Schmerz. Preist den Herrn“. In dieser Stimmung schloss „Cantamus“ die musikalische Andacht mit „Du bist’s, dem Ruhm und Ehre gebühret“ im klassischen Stil ab. Die dankbaren Konzertbesucher spendeten langanhaltenden Applaus, woraufhin „Notre Pére“ von Duruflé als abschließendes Vaterunser das gelungene Programm abrundete.

Teile der Spenden am Ausgang wurden dem Odenwald-Hospiz zugedacht, das in den vergangenen Jahren 340 Menschen ein friedvolles Sterben in Würde ermöglicht hat.

© Fränkische Nachrichten, 26. Mai 2018