Förderverein

Mit freundlicher Genehmigung von Frau Christa Greulich:
Ich bin ehrenamtliche Begleiterin im Hospiz und ich bin gerne bei den Menschen, die sich dafür entschieden haben, ihre letzte Lebensphase in diesem freundlichen von Licht und Wärme erfüllten Haus zu verbringen.

Oft höre ich den Satz: Das könnte ich nicht, wie kann man das aushalten. Wie kann man den Menschen begegnen, die um ihren nahen Tod wissen?

Die Hilfe dafür kommt von den Gästen selbst. Sie sagen oder zeigen mir, was sie möchten.
Ich erlebe viele schöne Gespräche, ich höre interessante Lebensgeschichten, höre von Reisen in ferne Länder, von dem, was das Leben Schönes geschenkt hat. Ganz oft höre ich die Worte: Es ist gut, so wie es ist, das was jetzt geschieht mit mir, gehört auch zum Leben – das Sterben.
Manchmal muss nichts mehr gesprochen werden, spüren lassen, dass man da ist, das genügt. Es sind wertvolle Begegnungen.

Etwas, das mich sehr berührt hat, davon möchte ich Ihnen erzählen.

Irgendwann, an einem Sonntagnachmittag, hat jemand im Flur des Hospizes Musik gespielt. Ich habe die Zimmertüren geöffnet. Ein Gast wollte im Bett auf den Gang geschoben werden, um so der Musik noch näher zu sein. Es war eine Frau und diese hatte das Glück, dass während ihres ganzen Aufenthaltes ihr Ehemann bei ihr im Zimmer sein konnte.  Nach einer kurzen Weile bat sie mich an ihr Bett und fragte mich, ob der Musiker denn auch einen Walzer spielen könne und ob ich mit ihrem Mann dazu tanzen würde.
Ja, das haben wir gemacht. Auf den Schneewalzer haben ihr Mann und ich eine kleine Weile getanzt.
Wir sind dann gemeinsam an ihr Bett gegangen, sie hat sich bei mir und ihrem Mann bedankt mit den Worten: das war jetzt sehr schön, meinen Mann noch einmal tanzen zu sehen. Wir haben doch früher so oft und so gerne miteinander getanzt. Und dass mein Mann tanzt, dieses Bild wollte ich noch einmal sehen.

Glauben Sie mir, ein solcher Tanz bleibt in Erinnerung. Ich habe dieser Frau zu danken.

 

Mit freundlicher Genehmigung von Frau Christine Ehret:

Zehn Uhr vormittags, die erste Frühlingssonne durchflutet die Räume des Hospizgebäudes.

Heute bin ich als Mitglied der ambulanten Hospizgruppe zum Besuch eingeteilt. Als ich ins Aufenthaltszimmer komme, herrscht auch dort eine entspannte, nahezu heitere Atmosphäre. Ein Gast äußert den Wunsch, etwas zu spielen, und wir liefern uns ein spannendes „Mensch ärgere dich nicht“-Duell. Dabei erzählt er mir von sich, seinem Beruf und seiner Familie. Dann gehe ich von Zimmer zu Zimmer, um zu erfahren, ob meine Anwesenheit erwünscht ist.

Ein Gast berichtet in einem ausführlichen Gespräch von seinem langjährigen Leidensweg und wie zufrieden er ist, jetzt hier angekommen zu sein uns angenommen zu werden so wie er ist. Er ist sich seiner Lage voll bewusst, er weiß, dass das hier die Endstation für ihn ist, um seine eigenen Worte zu benutzen.

Im nächsten Zimmer besteht kein Gesprächsbedarf. Der Gast zieht es vor, eine Fernsehsendung anzuschauen.

Beim nächsten Klopfen vernehme ich ein deutliches „Herein“. Es ist ein enger Verwandter des Gastes, der Gast selbst schläft tief und erschöpft. Auf meine Frage, wie es ihm als nächstem Verwandten denn gehe, bricht der ganze Kummer der letzten Monate aus ihm heraus. „Von der Diagnose bis heute nur 9 Monate.“ Er spricht sehr viel, und unser Gespräch dauert sehr lange, und ich merke, dass es ihm etwas Erleichterung bringt, einmal seinen Schmerz artikulieren zu können. Als ich mich schließlich verabschiede, bin ich tief ergriffen, denn hier fühle ich nicht nur mit, ich leide mit – war ich doch vor nicht zu langer Zeit in einer ganz ähnlichen Lage.

Texte sind so wie zugesandt veröffentlicht

Mit freundlicher Genehmigung von Frau Andrea Hart:
Mein Name ist Andrea Hart, ich arbeite seit Eröffnung im Jahr 2014 im stationären Hospiz in Walldürn. Die Hospizarbeit jedoch ist schon lange meine Leidenschaft und ich habe in jahrelanger beruflicher und ehrenamtlicher Tätigkeit viele Menschen beim Sterben begleiten dürfen.

Dabei habe ich immer wieder festgestellt, dass jedes Sterben einzigartig ist. Auch bei derselben Krankheit mit denselben Symptomen und Beschwerden ist es unmöglich den Angehörigen einen genauen Zeitpunkt zu nennen wann die endgültige Abschiedsstunde mit dem geliebten Menschen gekommen ist.

Die Frage  verbunden mit vielen Unsicherheiten und Ängsten bedingt oft die Tatsache, dass die Angehörigen oft mehr Betreuung benötigen als der Sterbende selbst. Sie möchten mit aller Macht, z.B. dass der Sterbende noch isst und trinkt, obwohl der Körper klar signalisiert, dass dies ihm mehr schadet als nützt. Dies zu akzeptieren ist oft ein beschwerlicher und langer Weg.

Der Sterbende selbst spürt oft schon lange, dass das Ende seines Lebens nahe ist und spielt vor den Angehörigen den Starken, um sie zu schonen- was oft auch umgekehrt funktioniert. Nicht die körperliche Pflege der Menschen, sondern das Sehen dieser psychischen Diskrepanzen, Vermitteln und Aushalten in diesen Situationen das ist eigentliche Hospizarbeit.

Für die Sterbenden selbst ist der Tod nicht immer schreckhaft, sondern wird nach oft jahrelanger Leidenszeit  sehnsüchtig erwartet. Im Hospiz können wir ihnen diese Beschwerden lindern und manchmal auch nehmen. So genießen sie ihre verbleibenden guten Tage und sehen dann dem Sterben gelassen entgegen.

 

Mit freundlicher Genehmigung von Frau Martina Iraschko:
Mein Name ist Martina Iraschko und ich arbeite seit dreieinhalb Jahren in der Hospizarbeit und seit Januar dieses Jahres bin ich im Odenwald Hospiz in Walldürn als Krankenschwester und Palliative Care Pflegekraft beschäftigt.

Was kann ich berichten aus meiner Erfahrung. Die Hospizarbeit hat mich verändert. Langsam aber stetig. Ich lebe heute bewusster,  intensiver, setzte meine Prioritäten anders und bin zufriedener, gelassener, selbstbewusster.

Die Arbeit so nah an den Menschen, die schwerkrank sind und bald sterben werden, lässt eine Tiefe und Ehrlichkeit zu, die ganz viel Leben wieder spiegelt. Denn was zählt am Ende? Doch nur der Mensch, die Menschlichkeit und die Beziehung miteinander. Auch die Angehörigen und Freunde sind trotz Traurigkeit und Schwere dankbar da zu sein.

Besonders der Rahmen im Hospiz, nimmt den Alltagsdruck und bietet ein gutes Umfeld, sorgt für Linderung der Beschwerden, lässt die letzten Wochen, Tage, Stunden erträglicher, freudiger und friedlicher sein. Es findet in dieser intensiven kurzen Zeit ganz viel Leben statt. Wir lachen und weinen, sind traurig und froh.

Sterbende und ihre nahestehenden Personen finden sich manchmal nochmal neu. Dinge die im Leben wichtig erschienen und oft einen Graben haben aufbrechen  lassen, erscheinen plötzlich ganz leicht diesen zu überwinden. Im Blick auf die Endlichkeit des irdischen Lebens, sieht man die Welt mit neuen Augen. Das ist ein Geschenk das uns sterbende Menschen  schenken und wir können mit Herz und Hand unsere Sterbenden begleiten und führen bis an das Tor, sie sanft loslassen und ihnen eine gute Reise wünschen.

Das Leben mit dem Tod, schenkt neue Perspektiven für das Leben. Davon bin ich überzeugt und dankbar.

Texte sind so wie zugesandt veröffentlicht

Mit freundlicher Genehmigung von Frau Ursula Käflein:
die diagnose unserer mutter war "unheilbar". sie wollte sterben, aber nicht im krankenhaus an maschinen und apparaten, sondern menschlich und in würde. unser glück war, dass wir innerhalb von zwei tagen einen platz für unsere mama im odenwald hospiz bekamen. für uns alle war die einrichtung hospiz bis dahin unbekannt, aber aus der Rückschau hätten wir uns keinen schöneren ort wünschen können. wir fühlten von anfang an, dass hier eine sehr angenehme, wohltuende atmosphäre herrscht. die sterbenden sind gäste, keine patienten. das ist ein riesiger unterschied. wir fühlten uns im hospiz eigentlich gleich sehr gut aufgehoben, fast wie zuhause: sehr liebe einfühlsame schwestern und ehrenamtliche mitarbeiterinnen, wunschküche d.h. jeder gast kann seine essenswünsche mitteilen und bekommt sie dann auch zubereitet, sehr schöne gemütliche zimmer. man spürt, dass den gästen hier ihre letzte lebensphase so angenehm wie möglich gemacht wird.das spürte auch unsere mutter. sie prägte den begriff "sterbehotel". unsere mutter ging eigentlich nie gerne in urlaub, aber sie sagte des öfteren, der urlaub im sterbehotel gefällt mir eigentlich sehr gut, das hätte ich nicht gedacht. sie war sehr zufrieden und ausgeglichen. ja, sie blühte richtig auf. nach vier tagen bestellte sie ihren hausarzt zu sich ins zimmer ,um ihn zu fragen wann sie nun endlich abreisen kann. der arzt konnte ihr darauf natürlich keine antwort geben. daraufhin meinte sie am nächsten tag zu uns, hier ist es ja schön, aber nächste woche gehe ich dann doch lieber heim. das teilte sie uns nun täglich mit. nun machten wir uns gedanken und hatten sogar ein schlechtes gewissen unsere mutter überhaupt ins hospiz gebracht zu haben. das sagten wir dann auch den schwestern. sie hatten immer zeit für uns und meinten, dass das eigentlich ganz normal ist, viele ihrer gäste leben hier oft nochmals auf.ich erinnere mich ganz besonders an einen Nachmittag. mama hatte sehr viel besuch, auch unser hund polly durfte mit ins hospiz. es war  sehr lebhaft in ihrem zimmer, aber sie genoss es richtig. als alle weg waren schlief sie ein. ich saß neben ihrem bett und im flur spielte eine ehrenamtliche mitarbeiterin gitarre und sang das lied" meine zeit steht in deinen händen." dieses lied stimmte mich zuerst sehr traurig, aber nun wurde für mich klar, dass mama, mit nächste woche gehe ich heim, nicht ihr zuhause meinte, sondern heim in die ewigkeit.  drei tage später waren mein bruder und ich dabei als unsere mutter völlig überraschend den kopf zur seite drehte und für immer einschlief. so hatte sie es sich immer gewünscht. auch hier waren die schwestern liebevoll und mitfühlend an unserer seite, durch ihre besondere fürsorge nahmen sie uns die angst vor dem tod.dafür sind wir unendlich dankbar. es war für uns alle bewegend wie wir die letzte lebensphase gemeinsam im hospiz verbringen durften.es war kein leichter weg, aber wir hätten uns keinen schöneren ort wünschen können.

 

Mit freundlicher Genehmigung von (Angehörige möchte nicht genannt werden):
Zunächst möchte ich vorausschicken, dass meine Mutter im September 2015 im Odenwaldhospiz an Krebs verstorben ist. Ich hätte mir für sie, aber auch für uns Angehörige in diesen letzten vier Lebenswochen keinen besseren Ort wünschen und vorstellen können.
Eine Erfahrung aus dieser Zeit möchte ich hier wiedergeben:

Ich hatte meiner Mutter zu Weihnachten und zu ihrem Geburtstag einen Geldbetrag für eine Reise geschenkt. Im Sommer zeichnete sich leider klar ab, dass sie diese Reise nicht mehr unternehmen kann und ich überlegte mir, womit ich ihr mit diesem Geld im Hospiz eine Freude bereiten könnte. Meine Idee waren Massagen, weil ihr diese auch früher immer gut getan haben. Natürlich keine klassischen Rückenmassagen, sondern Behandlungen, die ihrer Situation angepasst wären. Ich fragte daraufhin Frau Baier, die Pfegedienstleiterin des Hospizes, ob sie eine Physiotherapeutin kenne, die evtl. ins Hospiz kommen könnte. Spontan fiel ihr niemand ein, aber sie wollte gerne behilflich sein und sich umhören.

Nun verschlechterte sich der gesundheitliche Zustand leider in kürzester Zeit rapide und es war nicht mehr möglich diesen Wunsch, den ich auch mit meiner Mutter abgesprochen hatte, in die Tat umzusetzen  ­-  Meine Mutter lag im Sterben.

In diesen letzten wertvollen Tagen konnte ich nochmals sehr viel Zeit mit und bei ihr verbringen. Es besteht auch die Möglichkeit im Hospiz zu übernachten. Mein Bruder, meine Nichte und ich nutzten diese Gelegenheit und wachten an ihrem Bett. In der Nacht bevor sie starb, war ihr Zimmer von einer friedlichen Stille erfüllt. Nur zwei Kerzen brannten und verströmten sanftes Licht. Am frühen Morgen war ich dann doch so müde, dass ich auf dem Zustellbett, welches im Zimmer stand, für eine kurze Weile tief eingeschlafen bin. Mein Kopf lag dabei am Fußende meiner Mutter.
Als ich wieder aufwachte, bot sich mir ein wunderschönes Bild:

Die Nachtschwester  saß im Kerzenschein am Bett meiner Mutter und massierte ihr direkt vor meinen Augen die Füße! Meine Mutter, die nicht mehr sprechen konnte, stöhnte nur leise.

Ich war sehr ergriffen von dieser Situation und der erste Gedanke, der mir voller Freude in den Sinn kam, war: „Nun bekommt sie doch noch dieses Geschenk!“  Niemand hätte dies zu einem solchen Zeitpunkt noch organisieren können. Ich hatte geschlafen und genau zu dieser Zeit als ich nichts mehr für sie tun konnte, weil ich einfach zu erschöpft war,  ist es ohne mein Zutun einfach passiert. Gleichzeitig hat mich dieses Bild an die Fußwaschung Jesu erinnert und daran, wie er den Menschen diente. So, wie es diese Schwester eben in diesem Moment tat.

Die Schwester, der ich heute noch sehr dankbar bin,  wusste in diesem Moment gar nicht, was sie für uns tat. In einem späteren Gespräch erklärte sie, dass sie dies vorher noch nie so getan hätte und einem inneren Impuls gefolgt sei. Für mich war dies kein Zufall, sondern ein Geschenk Gottes und ein Zeichen dafür, dass er unsere kleinen Herzenswünsche manchmal sehr ernst nimmt und meiner Mutter nochmal wohl tuen wollte. So wurde in diesem Augenblick das Geschenk, welches ich meiner Mutter so gerne noch gemacht hätte, auch mir selbst zum Geschenk. Wenige Stunden später ist sie gestorben. Für mich ist diese Erfahrung  bis heute ein Trost.

Die Texte sind so wie zugesandt veröffentlicht