Einfühlsame Worte öffneten die Herzen der Hinterbliebenen

150 Gäste kamen zu ökumenischem Gedenkgottesdienst für verstorbene Bewohner / Lieder unterstrichen andächtige Stimmung

 Ein Arrangement aus "Tonblumen" erinnert an die Verstorbenen. © Kobold

Ein Arrangement aus "Tonblumen" erinnert an die Verstorbenen. © Kobold

Walldürn. "Man stelle sich ein Lied vor, das viele Töne hat. Das Lied ist wunderschön. Jeder Ton leistet seinen Beitrag zur Melodie. Plötzlich passiert etwas Unerwartetes. Jemand lässt einen einzigen Ton herausfallen ... und die komplette Melodie klingt anders. Es fehlt ein Ton und er ist nicht zu ersetzen. Er wird zur Pause im Fluss der Töne."

Diese Worte beschreiben das Gefühl des Verlustes, von dem Angehörige überwältigt werden, wenn jemand von Ihnen geht. Diese Worte öffneten die Herzen der rund 150 Besucher in der Kapelle "Maria Rast". Dorthin hatte das Odenwaldhospiz Walldürn die Angehörigen aller Hospizgäste eingeladen, die im vergangenen Jahr seit der Eröffnung im Oktober 2014 ihre letzte Lebensphase im Hospiz verbrachten. Die Kapelle war voll besetzt.

Nach der Begrüßung durch Geschäftsführer Thomas Oberst wurde die Feier mit Richard Strauß' "Zueignung" eröffnet, vorgetragen von der Sopranistin Clarry Bartha aus Boxberg und dem Buchener Pianisten Christian Roos. Mit einem ökumenischen Wortgottesdienst spendeten Pfarrer Karl Kreß und sein katholischer Kollege Pater Dr. Slawomir Klein Trost in der schweren Zeit der Trauer. Pater Slawomir sprach die Gebete der Hoffnung und des Trostes.

Tenor der Predigt von Pfarrer Kreß waren die Worte aus dem zweiten Brief des Paulus an die Korinther über das Leiden und den Trost, den wir weitergeben mögen, wenn wir ihn empfangen. "Wir sind nur Gast auf Erden", von allen gesungen, unterstrich die andächtige Stimmung. Gemeinsam brachten die Geistlichen den Anwesenden den feierlichen Segen aus.

"Tonblumen" als Andenken

Christa Greulich trug danach ihren kurzen Text über den bereits vorgestellten "fehlenden Ton" vor, um dann das Wort an Magdalena Baier zu übergeben, die als Pflegedienstleiterin des Odenwaldhospizes die Angehörigen begrüßte und die Bedeutung unterstrich, die das Gedenken an die Verstorbenen für alle Mitarbeiter und Helfer des Hospizes hat.

Sie legte Wert darauf, allen Mitarbeiterinnen des Hospizes zu danken, die mit ihrer Tatkraft das gelungene Zustandekommen des Nachmittags ermöglicht hatten. Derselbe Dank richtete sich auch an die Ehrenamtlichen.

Sie und Schwester Beate Albert verlasen dann im Wechsel die Namen aller im letzten Jahr im Hospiz Verstorbenen, jeweils stimmungsvoll begleitet von einem Klangstab und immer wieder unterbrochen von den gesungenen Strophen des bekannten Liedes "Von guten Mächten". Kerzen wurden angezündet und auf einem liebevoll hergerichteten Steinarrangement aufgestellt.

Zum Abschluss sorgten Bartha und Roos mit dem wunderbaren melancholisch-heiteren und mit Inbrunst vorgetragenen "Somewhere over the Rainbow" für eine grandiose musikalische Abrundung.

Die Besucher wurden eingeladen, im gemeinsamen Gespräch den Nachmittag ausklingen zu lassen.

Der Höhepunkt des Nachmittags erwartete die Angehörigen allerdings noch. Frau Baier hatte angekündigt, dass jeder eingeladen sei, sich in kleinen Gruppen jeweils mit einer Mitarbeiterin hinüber in die Räume des Hospiz zu begeben, in den "Raum der Stille", wo für jeden der Verstorbenen eine "Blume der Erinnerung" arrangiert war: Jeder Gast, der ins Odenwaldhospiz kommt, bekommt eine handgefertigte Blume aus Ton in sein Zimmer, namentlich beschriftet. Sie verbleibt im Hospiz, wenn der Gast verstirbt und findet einen würdigen Platz.

Am Sonntag hatten die Angehörigen die Gelegenheit, diese "ihre" Blume mit nach Hause zu nehmen.

Alle Teilnehmer des Gottesdienstes empfanden diese abschließende symbolische Begegnung mit ihren Lieben als emotional sehr berührend und in ihrer Würdigkeit nicht zu übertreffen. Die Geschichte vom "fehlenden Ton" endet übrigens mit den versöhnlichen tröstenden Textzeilen:

"Nach einer langen, langen Zeit wird auch dieses Lied zu einem gern gehörten Lied. Es ist zwar anders als das Lied vorher, aber die Melodie dieses Liedes klang nach einiger Zeit, als man sich mit der ungewohnten Pause vertraut gemacht hatte, wunderschön. Aber eben ganz anders."

© Fränkische Nachrichten, Freitag, 09.10.2015 | Mit freundlicher Genehmigung