Frau vermacht Geld

Besondere Freude: Frau vermacht Odenwald Hospiz Walldürn und Förder- und Freundeskreis Krankenhaus Hardheim große Summe
Geld für zwei Einrichtungen

Seit dem 1. Oktober 2014 gibt es in Walldürn ein stationäres Hospiz mit dem offiziellen Namen „OH Odenwald Hospiz gGmbH“. Wie schon der Name besagt, ist das Hospiz als gemeinnützige GmbH organisiert, das heißt, es arbeitet nicht gewinnorientiert.

Der Name Hospiz geht auf das lateinische Wort hospitium = Herberge zurück. Ein Hospitium oder Hospital, später auch abgekürzt zu Spital, war im Mittelalter eine von der Kirche oder den Klöstern betriebene Herberge. Die Aufgaben der Spitäler waren mannigfaltig und basierten auf den sieben Werken der Barmherzigkeit. Aus der Aufgabe der Pflege der Kranken entwickelte sich später das heutige Krankenhaus, das auch noch heute im Volksmund als „Spital“ bezeichnet wird.

Umfassende Leistungen
Die umfassenden Leistungen eines Hospizes müssen natürlich auch finanziert werden. Der Staat hat per Gesetz festgelegt: Der Aufenthalt in einem Hospiz ist für seine Gäste kostenlos. Die Krankenkassen erstatten 95 Prozent der nachgewiesenen Kosten (bis 2017 waren es nur 90 Prozent) für die fehlenden fünf, früher zehn Prozent muss das Hospiz selbst aufkommen. So soll gewährleistet sein, dass ein Hospiz nicht gewinnorientiert arbeitet, wie es im geriatrischen Bereich häufig der Fall ist. Diese erforderliche Eigenleistung ergibt im Fall des Odenwald Hospizes einen jährlichen Bedarf im mittleren bis hohen fünfstelligen Bereich.

Um diese Finanzierungslücke zu schließen, wurde schon 2014 der Förderverein Odenwald Hospiz gegründet. Seine inzwischen über 200 Mitglieder und Paten tragen durch ihre Beiträge in erheblichem Maß zur Deckung der Kosten bei. Neben zahlreichen privaten Spendern hat der Verein öffentliche Förderer, etwa den Neckar-Odenwald-Kreis und die Stadt Walldürn, regionale Banken und privatwirtschaftliche Unternehmen und Stiftungen, die zum Teil regelmäßig spenden.

Auch die Angehörigen und Freunde von Gästen unseres Hospizes drücken ihren Dank für die hervorragende Betreuung ihrer Lieben durch zum Teil regelmäßige Zuwendungen aus.

Besondere Freude
Eine ganz besondere Freude für den Förderverein ist es natürlich, wenn jemand, ohne persönlich vom Odenwald Hospiz Leistungen bezogen zu haben, den Verein und damit das Odenwald Hospiz mit einer größeren Summe bedenkt. So ist es jetzt wieder einmal geschehen: Eine Frau aus Hardheim hat in einem Vermächtnis den Freundes- und Förderkreis Krankenhaus Hardheim und den Förderverein Odenwald Hospiz zu gleichen Teilen mit jeweils über 30 000 Euro bedacht. Dieses Geld kommt zwei gemeinnützigen Einrichtungen zugute und damit den Menschen vor Ort. Ein solches bürgerschaftliches Engagement ist äußerst lobenswert.

1967 Start der Bewegung
Die moderne Hospizbewegung und die Palliativmedizin entstanden in den 1960er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in England. 1967 wurde das St. Christopher’s Hospice in Sydenham bei London gegründet, und von dort nahm die heutige Hospizbewegung ihren Anfang. Das erste stationäre Hospiz in Deutschland wurde 1986 in Aachen gegründet.

Hospize haben es sich zur Aufgabe gemacht, unheilbar Kranke mit einer begrenzten Lebenserwartung in ihrer letzten Lebensphase zu betreuen.

Dem Entschluss, Aufnahme in einem Hospiz zu suchen, geht oft ein jahrelanger Kampf gegen eine unheilbare Krankheit, in den meisten Fällen wohl Krebs, voraus.

Wenn es keine Hoffnung mehr gibt, wenn man des Kampfes müde ist, wenn man keinen Widerstand mehr leisten will und kann, dann wendet sich mancher wieder dem Leben zu, weil er vielleicht plötzlich erkannt hat, dass das Sterben zum Leben dazu gehört und dass es wichtig ist, vom Leben bewusst und in Würde und möglichst ohne Schmerzen Abschied zu nehmen.

Einen solchen menschenwürdigen Abschied hat das Odenwald Hospiz in den knapp sieben Jahren seines Bestehens schon rund 600 Gästen ermöglicht. Die Bewohner unseres Hospizes werden nämlich nicht als Patienten, sondern als Gäste bezeichnet und auch so behandelt. Sie wohnen in einem gemütlich eingerichteten Einzelzimmer mit eigener Terrasse, in dem auch ein Angehöriger übernachten kann. Für solche Fälle ist auch ein separates Zimmer vorhanden. Solange die Gäste noch mobil sind, werden die im Haus frisch zubereiteten Mahlzeiten in einem großen gemeinsamen Wohnzimmer mit Kamin eingenommen. Dadurch ergeben sich Gespräche mit Mitbewohnern, deren Gästen und dem Personal sowie ehrenamtlichen Helfern. Es gibt keinen engen Zeitplan wie im Krankenhaus oder in geriatrischen Einrichtungen. Man nimmt sich Zeit, getreu dem Motto auf den Flyern des Odenwald Hospizes: „Das wertvollste Geschenk ist Zeit“. Liebevolle Pflege und menschliche Wärme haben im Odenwald Hospiz den gleichen Stellenwert wie eine kompetente, ärztlich überwachte palliative Versorgung. Und wenn sich einmal jemand ganz zurückziehen möchte, gibt es einen sehr stilvoll eingerichteten „Raum der Stille“.

© Fränkische Nachrichten, Juni 2021