Neue Botschafterin für das Odenwald-Hospiz

Liane (zweite von rechts) ist die neue Botschafterin für das Odenwald Hospiz. (Bild: Adrian Brosch)

Dass die Walldürner Schlagersängerin Liane („Du wusstest, dass ich frei sein will“) trotz anhaltenden Erfolgen ein großes Herz für ihre Heimat sowie kranke und schwache Menschen hat, beweist ihr eindrückliches Engagement als Botschafterin des „Odenwald-Hospizes“. Am Freitag besuchte sie jene vor nunmehr drei Jahren eingeweihte Einrichtung, um sich über die Angebote für Sterbenskranke und deren Angehörige zu informieren.

Begrüßt wurde Liane durch Fördervereins-Vorsitzenden Helmut Greulich nebst Stellvertreter Heinrich Hennig, Geschäftsführerin Christine Lehner, Gesellschafterin Christa Weiß sowie Herbert Kilian als Vorsitzendem des Odenwald-Hospizvereins. Sogleich lud Christine Lehner zum Rundgang ein, der zunächst in den mit einer Skulptur des Altheimer Künstlerehepaars Rolf Hamleh und Ramona Müller-Hamleh ausgestatteten „Raum der Stille“ führte. „Hier haben Angehörige von Bewohnern die Möglichkeit, in aller Ruhe etwas zu lesen oder auch nur ganz allein zu sein, sollten sie das wünschen“, erklärte die Geschäftsführerin. Ebenso können sie ihre Sorgen in Bücher eintragen: „Auch das allein kann schon befreiend wirken“, schilderte die ehrenamtlich engagierte Christa Greulich und zeigte Liane die insgesamt fünf Gedenkbücher der im Hospiz Verstorbenen. In diese werden auch Postkarten eingeklebt, auf deren besondere Bewandtnis Helmut Greulich zu sprechen kam: „Jeder Gast sucht sich bei der Ankunft eine zu ihm passende Postkarte aus unserem Fundus aus, die an seiner Zimmertür befestigt wird und später im Erinnerungsbuch an ihn erinnert“, betonte er.

Eine ähnliche Bedeutung besitzt die „Blume der Erinnerung“: Jeder Gast erhält eine handgefertigte Blume aus Ton, die ihn auf seinem Weg innerhalb des Hospizes begleitet und nach der Gedenkfeier entweder Verwandten gegeben oder im Garten deponiert wird. „Wir legen Wert auf solche Rituale, auch weil wir nicht jede Beerdigung besuchen können“, informierte Helmut Greulich.

Christine Lehner stellte in diesem Zusammenhang klar, dass „auch an unserem Personal die Schicksale und Lebenslinien nicht spurlos vorüberziehen“ und man sich „kaum etwas Schlimmeres vorstellen kann als den Moment, in dem sich ein Kind von seiner dem Tod geweihten Mutter verabschieden muss“.

Herbert Kilian führte an, dass das Odenwald-Hospiz die einzige derartige Einrichtung sowohl im Neckar-Odenwald-Kreis als auch im Main-Tauber-Kreis sei und einen Einzugsbereich bis ins fränkische Bayern habe. Nach inzwischen drei Jahren könne man es als etabliert bezeichnen: „Mein anfängliche Vermutung, die Walldürner könnten Vorbehalte gegenüber des Hospizes oder emotionale Hemmungen haben, bestätigte sich glücklicherweise nicht“, ließ er wissen und sprach „von bisher keiner einzigen negativen Stimme“. Dafür sprechen auch zahlreiche Dankesbriefe, die immer wieder eintreffen: „Es kommt häufig vor, dass Angehörige von in unserem Haus verstorbenen Menschen uns hinterher entweder einen ergreifenden Brief schreiben oder sich persönlich bedanken“, erklärte Christa Weiß und zeigte einige Schreiben aus dem Archiv.

Gast ein Ständchen gebracht
Im „Wohnzimmer“ wurde Liane von einigen Gästen bereits erwartet und konnte sogar ihre stimmlichen Qualitäten unter Beweis stellen: Einem Gast sang sie ein Geburtstagsständchen, als sie von dessen Ehrentag erfuhr. Anschließend bezeichnete Christine Lehner den geschmackvoll möblierten Raum als „Dreh- und Angelpunkt des Hauses, in dem auch immer wieder freundschaftliche Kontakte zwischen den Bewohnern entstehen“. Bücher und CDs für jeden Geschmack, die stets zugängliche Küche, ein Kaminofen und eine Freiterrasse schaffen gern genutzte Freiräume und ein beinahe familiäres Ambiente; gelegentlich unterhält Marcel Ditrich die Gäste am Digitalpiano.

Für die Besucher der Hospizgäste steht zusätzlich ein separates Zimmer zur Verfügung, sofern sie nicht auf einem der insgesamt zehn Pflegezimmern übernachten: „Ein Angehöriger kann jedoch auch immer direkt im Pflegezimmer nächtigen, sollte er dies wünschen“, zeigte Herbert Kilian auf.

„Es ist wichtig, eine so segensreiche Einrichtung nach außen zu tragen“, erklärte Liane beim abschließenden Gespräch am Kaffeetisch. Als gelernte Arzthelferin sei sie selbst „ausgesprochen bewegt“ über das im Hospiz Geleistete: „Ich habe etwa in Kliniken und Arztpraxen schon Einiges erlebt und weiß, dass fürsorgliche Menschen an der Seite eines Patienten in Zeiten von Krankheit und Siechtum von unschätzbarem Wert sind“. Zudem wisse man nie, wie einem das Schicksal selbst die Weichen stellt: „Theoretisch könnte jeder von uns das Hospiz einmal benötigen“, bemerkte die Sängerin abschließend.

© Fränkische Nachrichten, 13. September 2017