Odenwald-Hospiz in Walldürn nimmt am 1. Oktober den Betrieb auf

Den letzten Weg in Würde gehen - Gebäude besticht durch wohlige Atmosphäre und viel Liebe zum Detail

Von Rüdiger Busch

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© Rhein-Neckar-Zeitung

Walldürn. "Wir tun alles dafür, um den Gästen die letzten Tage und Wochen ihres Lebens so angenehm wie möglich zu machen." Christa Weiß fasst ihre Intention und die ihrer engagierten Mitstreiter in einem Satz zusammen. In gut sieben Wochen öffnet das Odenwald-Hospiz in Walldürn seine Pforten, und bis zur Einweihung ist auf der Baustelle noch viel zu tun. Dennoch lässt sich bereits jetzt erkennen, dass dort ein Ort der Geborgenheit entsteht, eine Einrichtung, die mit viel Leidenschaft und dem Blick fürs Detail geplant und errichtet wurde - und in der der Mensch im Mittelpunkt steht.

Bei einem Rundgang stellten Bauherr Dieter Weiß, seine Ehefrau Christa Weiß, die Gesellschafterin der Odenwald Hospiz gGmbH ist, und der Vorsitzende des Fördervereins Odenwald-Hospiz, Helmut Greulich, das Projekt vor.

Mit dem Bau wird eine große Lücke in der weiteren Region geschlossen, denn stationäre Hospize gibt es bislang nur in Würzburg, Heidelberg oder Bietigheim, um die nächstliegenden zu nennen. Die Idee für den Bau des Hospizes stammt von Christa Weiß, die seit mehr als 20 Jahren den Hospiz-Förderverein in Heidelberg als Mitglied unterstützt. "Wir wollten mit unserem Geld etwas Sinnvolles machen", unterstreicht sie. Bei ihrem Mann rannte sie mit diesem Vorschlag offene Türen ein, denn er hatte miterleben müssen, wie ein enger Freund mit 60 Jahren an Krebs gestorben ist. Familie und Freunde des Sterbenden mussten damals den weiten Weg in ein Hospiz nach Heilbronn auf sich nehmen. Damals wurde ihm klar, wie wichtig und wertvoll eine solche Einrichtung in der Region wäre.

Nach einem guten Jahr Bauzeit ist die Verwirklichung nun auf der Zielgeraden angelangt. Derzeit wird mit Hochdruck daran gearbeitet, den Estrich zu trocknen, um als nächsten Schritt die Böden verlegen zu können. Dafür wurden mehrere Entfeuchter aufgestellt und die Temperatur auf tropische 35 Grad Celsius eingestellt.

Erste Station beim Rundgang durch den L-förmigen Gebäudekomplex waren die großzügig konzipierten Gästezimmer. Angrenzend an diese Zimmer befinden sich die Funktionsräume wie Schwesternzimmer, Küche oder Sekretariat. Auffallend sind der gelungene Einsatz von Farbakzenten in den Räumen und im hellen, freundlichen Flur sowie das überall vorhandene Tageslicht, das die wohlige Atmosphäre verstärkt, ebenso wie die verwendeten Materialien.

Eine Besonderheit ist der als "Wohnzimmer" bezeichnete Gemeinschaftsraum, der über einen großen Kamin und riesige Fensterfronten und eine vorgelagerte Terrasse ins Grüne verfügt. Eine warme Farbgebung, eine durchdachá †te Beleuchtung und ein besonderes Flair zeichnen den "Raum der Stille" aus, der Patienten und Angehörige die Möglichá †keit bietet, in Ruhe und Besinnung Kraft zu schöpfen. Auch Gespräche mit Geistlichen sind dort denkbar.

Im Obergeschoss wird ein Appartement für Angehörige eingerichtet. "Die Verwandten können dort einfach mal Luft holen, sie können aber natürlich auch im Zimmer des Gastes schlafen", erklärt Christa Weiß. Dass die Initiatoren zuvor einige Hospize besucht haben und sich viele Anregungen geholt haben, wird beim Gang durch den Gebäudekomplex schnell deutlich. So sind etwa die Gebäudeteile so angeordnet, dass ein geschützter und zum Teil überdachter Außenbereich besteht und ferner die Privatsphäre jedes einzelnen Gastes gesichert ist.

Für sich sein, wenn nötig und gewünscht, aber andererseits auch in der Gemeinschaft unter Gleichen zu sein, dies zeichnet ein Hospiz aus und stellt für die Kranken "eine Erleichterung auf ihrem letzten Weg dar", unterstreicht Christa Weiß. Nicht das Leben mit Gewalt zu verlängern sei das oberste Ziel, sondern ein friedvolles Sterben in Würde zu ermöglichen. Dazu gehören auch Angebote wie Schmerztherapie, Aroma- und Klangtherapie oder die Möglichkeit für den Gast, sich seine persönliche Wunschkost auszuwählen.

Die durchschnittliche Verweildauer in einem Hospiz liegt bei ungefähr drei Wochen. Dieser Umstand und die Tatsache, dass eine solche Einrichtung nicht kostendeckend zu betreiben ist, macht das Einsammeln von Spenden erforderlich. Hier leistet der Förderverein mit Helmut Greulich an der Spitze wertvolle Arbeit. Auch Helmut Greulich ist der Einsatz für andere nicht unbekannt. Gemeinsam mit seiner Frau Christa engagiert er sich seit Jahren in der Deutschen Krebshilfe und hat in diesem Zusammenhang auch schon mehrere Hospize besucht. Vor diesem Hintergrund war er schnell für eine Mitarbeit zu begeistern.

Durch das außergewöhnliche finanzielle Engagement der Familie Weiß verfügt das Hospiz zwar über ideale Startbedingungen. Für den laufenden Betrieb aber etwa 100.000 Euro pro Jahr an Spenden gesammelt werden. Der Landkreis, die Stadt, Spender aus der Industrie, die Banken, Privatpersonen und Vereine haben bislang schon großzügig gespendet. Jüngste Aktivität war ein Flohmarkt im Bahnhof in Hardheim, für den Bernadette Balles ihre Räume kostenlos zur Verfügung gestellt hatte, wie Helmut Greulich dankbar erwähnt. und Christa Weiß ergänzt: "Jeder Cent an Spenden kommt direkt den Gästen zugute."

Neben dem Förderverein unterstützt auch der Hospiz-Verein mit dem Vorsitzenden Herbert Kilian die Arbeit der Einrichtung, in dem er ehrenamtliche Mitarbeiter für das Hospiz gewinnt. Auch Hospizgruppen aus der Region haben bereits ihre Mitarbeit zugesichert.

Ein persönlicher und familiärer Charakter soll das Hospiz auszeichnen. Der Gang durch die Räume zeigt, dass von baulicher Seite her ideale Voraussetzungen geschaffen wurde: Das Hospiz wirkt nicht wie ein Krankenhaus, es wirkt aber auch nicht wie ein Ort des Sterbens - sondern eher wie ein Platz, an dem es sich gut leben lässt. Besser lässt sich der letzte Weg des Lebens nicht gehen.

Info: Das Odenwald-Hospiz nimmt den Betrieb am 1. Oktober auf. Am 27. September ist die offizielle Einweihung geplant, am 28. September kann sich die Bevölkerung bei einem Tag der offenen Tür informieren.

© Rhein-Neckar-Zeitung, 10.08.2014
Mit freundlicher Genehmigung