Scheu und Berührungsängste genommen

Die Themen Sterben und Tod sind für viele Menschen tabu. Sie sprechen nicht gern darüber und verdrängen eher, was eines Tages doch jeden ereilt. Um dieses Tabu zu brechen und einen Ort zum würdevollen Sterben, das Odenwald-Hospiz in Walldürn, ins Bewusstsein zu rücken, veranstaltete der Förderverein dieser Einrichtung im Alten Rathaus in Miltenberg einen musikalisch-literarischen Abend.

Unter dem Titel „Es ist ein Kommen und Gehen“ boten Stefan Müller-Ruppert (Gesang/Rezitation) und sein Sohn Bastian Ruppert (E-Gitarre) ein nachdenklich stimmendes und zugleich auch heiteres Programm. Es spannte einen Bogen vom Willkommen-Heißen eines neuen Erdenbürgers bis hin zum Abschiednehmen von dieser Welt.

Die beiden Künstler aus Buchen verstanden es einfühlsam, die Zuhörer im fast voll besetzten

Stefan Müller-Ruppert (Gesang/Rezitation) und sein Sohn Bastian Ruppert (E-Gitarre) boten ein nachdenklich stimmendes und zugleich auch heiteres Programm zum Thema Sterben und Tod im Alten Rathaus in Miltenberg. ( Bild: Maria Gehrig)

Bürgersaal mit auf die Lebensreise zu nehmen, von der man anfangs nicht weiß, wo sie überall hinführen wird. Mit ausgesuchten Liedern, zum Beispiel von Reinhard Mey, Herbert van Veen, Bettina Wegener, „Pur“, Eric Clapton oder Bob Dylan wurden die Texte passend ergänzt. Hier lieferten unter anderem Harald Hurst, Theodor Fontane, Joseph von Eichendorff, Hermann Hesse oder Heinrich Heine geeignete literarische Vorlagen aus unterschiedlichen Epochen.

Die ständigen Wechsel in der Vortragsweise – mal im Odenwälder Dialekt, mal auf Hochdeutsch, mal auf Wienerisch - nahmen die Besucher förmlich gefangen von der Thematik. Viele fühlten sich berührt von der Musik und dem Gehörten, was durch einen langanhaltenden und herzlichen Applaus zum Ausdruck kam.

Und die Erkenntnis, dass man im Hier und Jetzt das Leben genießen, nichts Wichtiges verschieben und sich nicht zu wichtig nehmen sollte, die gab es gratis obendrein.

Der Vorsitzende des Fördervereins Odenwald-Hospiz, Helmut Greulich, informierte darüber, dass seit der Eröffnung des Odenwald-Hospiz’ vor vier Jahren dort inzwischen 300 Gäste in wohltuender Atmosphäre auf ihrem letzten Weg begleitet wurden. Er dankte den Künstlern, denen es gelungen sei, die Scheu und Berührungsängste mit Blick auf Sterben und Tod abzubauen. Und wer weiß: Vielleicht kann der eine oder andere Besucher eines Tages dem Tod sogar mit einem Augenzwinkern begegnen.

© Fränkische Nachrichten, 18. September 2018