Sterbende auf dem letzten Weg begleiten

ODENWALD-HOSPIZ IN WALLDÜRN: Ein Ort der Geborgenheit / Einweihung am Wochenende / Laufende Kosten werden zum Teil durch Spenden finanziert

Von unserem Mitarbeiter Gabriel Schwab

2014-09-25-Sterbende-auf-dem-letzten-Weg-begleiten

© Gabriel Schwab

WALLDÜRN. Warme Farben, eine liebevolle Innengestaltung und lichtdurchflutete, große Räume - das Walldürner Odenwald-Hospiz ist ein Ort der Geborgenheit. "Herberge", das bedeutet Hospiz in der Übersetzung. Und eine Herberge, das will auch die Einrichtung in Walldürn sein. Ab dem ersten Oktober nimmt diese ihren Betrieb auf und wird zu einer Institution der Fürsorge für sterbenskranke Menschen, die in dem Hospiz von einem kompetenten Team von sieben Pflegerinnen und Ehrenamtlichen unter der Leitung von Magdalena Baier betreut werden.

Auf Bedürfnisse eingehen

Diese werden sich ab sofort um die Bedürfnisse der Patienten - Baier nennt sie liebevoll ihre "Gäste" - kümmern und ihnen den letzten Lebensabschnitt "so angenehm wie möglich gestalten". Kapazitäten wurden für bis zu zehn "Gäste" geschaffen.

Spezielle Ausbildung erhalten

Zwar seien alle Angestellten ausgebildete Pflegekräfte, die alle in Krankenhäusern gearbeitet haben und denen das Thema "Sterbebegleitung" nicht fremd sei, für die Arbeit in dem Hospiz hätten sie jedoch einen speziellen Palliativpflege-Weiterbildungskurs absolviert. "In der Ausbildung bekommt man allerhand über Symptomlinderung, Gesprächsführung und die doch sehr spezielle Pflege von Sterbenskranken beigebracht - das sind alles wichtige Voraussetzungen für unseren Beruf", weiß Baier.

"Wir sind kein Krankenhaus", macht die Pflegedienstleiterin deutlich. Die neuen Räume und der neue Rahmen geben ihnen die Möglichkeit, individuell auf die Bedürfnisse der Patienten einzugehen.

Feste Essens- oder Pflegezeiten gebe es nicht - "der Gast bestimmt die Zeiten". Auch was auf dem Essensplan steht, bestimmen die "Gäste" selbst. "Dabei werden keine Grenzen gesetzt. Wenn einer unserer Patienten Leberwurst will, wird eben losgefahren und welche geholt", so Christa Weiß, Gesellschafterin des Odenwald Hospiz Vereins, die gemeinsam mit ihrem Mann das Projekt "Odenwald-Hospiz" ins Leben rief.

Beschäftigungen sind in dem Hospiz auf unterschiedlichste Weise gegeben. Außerhalb der Wände der Herberge ist ein Bereich mit Terrasse, Außenschachspiel und Bänken im Werden. Jedes Zimmer verfügt über seine eigene Veranda. Im ersten Stock werde es einen Erholungsbereich mit Wellnessbadewanne geben, erklärt Baier. Ein geräumiges Wohnzimmer fungiere als Ort des gemütlichen Beisammenseins und des Austauschs - für Patienten und Angehörige gleichermaßen. Der Ruheraum des Gebäudes könne für viele Zwecke gebraucht werden. Er sei ebenso Ort der Mediation sowie des Rückzugs und auch Gottesdienste könnten in ihm abgehalten werden.

Mit der Inbetriebnahme im Oktober geht für Christa Weiss ein Traum in Erfüllung: "Wir wollten etwas Sinnvolles tun", erklärt sie. "Ich bin froh, dass wir diese Möglichkeit haben. Denn wie mein Mann zu sagen pflegt: ,Es gibt nichts Gutes, außer man tut es'."

Anspruchsvolle Aufgabe

Neben der anspruchsvollen Aufgabe der Sterbebetreuung wird das Hospiz jedoch auch in Zukunft einige Hürden nehmen müssen. Denn die Krankenkassen bezahlen nur 90 Prozent der laufenden Kosten, den Rest müsse man über Spenden erwirtschaften. "Ich kann mir auch nicht erklären, warum das ausgerechnet bei denen Hospizen so sein muss." Jedoch werde die Walldürner Einrichtung dabei tatkräftig unterstützt. Für die nächsten drei Jahre steuere der Landkreis jährlich 10 000 Euro bei und auch die Stadt Walldürn habe ihre Hilfe zugesichert. Privatleute, Firmen und der Förderverein des Hospizes tragen ebenso "einen erheblichen Teil" bei.

Prominente Unterstützung erhalte man von Kabarettist Rolf Miller und Fußballtrainerin Silvia Neid, welche beide als "Botschafter" tätig seien. Geld werde außerdem bei Veranstaltungen und Aktionen gesammelt. Aktuell werden beim Walldürner Herbst die Bäcker einen großen Zwiebelblaatz backen und die Frauengemeinschaft Kaffee und Kuchen verkaufen. Der Erlös ist für das Hospiz bestimmt. "Wir bekommen viel Unterstützung, von vielen Seiten", freut sich Weiss.

Am Wochenende steht die Einweihung auf dem Programm. Interessenten können sich dabei am Sonntag, 28. September, von 10 bis 18 Uhr in dem Gebäude umschauen und über das Hospiz und den Förderverein und dessen Arbeit informieren.

© Fränkische Nachrichten, Donnerstag, 25.09.2014
Mit freundlicher genehmigung
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