Tiefsinnige Texte und tolle Live-Musik

joanaEinen wunderbar entschleunigten Abend bot das Konzert "Ich staune bloß" mit der Kurpfälzer Liedermacherin Joana in der Kapelle Maria Rast. Er bot tiefsinnige Texte und Live-Musik vom Feinsten.

Die Kapelle war voll gefüllt. Und "staunen" konnte das Publikum nicht nur über tiefsinnige Texte, sondern auch über Live-Musik vom Feinsten und die natürliche Art der Sängerin. Doch am Anfang stand das gesprochene Wort: Für den Förderverein "Odenwald-Hospiz" erklärte dessen Vorsitzender Helmut Greulich die Besonderheit des Abends, sämtlichen Erlös dem Hospiz zufließen zu lassen. So könne man "mit guter Musik auch anderen etwas Gutes tun".

Gefühlvoller Solobeitrag
Joana gestaltete den Abend nicht allein, sondern hatte mit dem Mannheimer Adax Dörsam einen langjährigen Wegbegleiter mit nach Walldürn gebracht: Der 1955 geborene Musiker und Buchautor produziert seit zwei Jahrzehnten alle Studioalben der Sängerin, gilt als Kenner der Saiteninstrumente und bereicherte den Abend nicht nur als Gitarrist, sondern auch mit einem äußerst gefühlvollen Solobeitrag an der Harfenzither.

Humorig war nach der Pause auch der Blick von Joana in ihr Poesiealbum aus Grundschulzeiten. Herrlich lustige oder skurrile Einträge waren da zu hören. Und für die eine oder andere Besucherin war das sicher Ansporn, mal wieder im eigenen Poesiealbum zu blättern.

Einblicke hinter die Kulissen des Showgeschäfts "als Frau" gewährte das erste Lied über die "kleine Chansonette", das alle Klischees genüsslich auf die Spitze trieb: Da ging es um von Männern verfasste und mit Effekthascherei auf Bühnen präsentierte Stücke - das genaue Gegenteil bewies die 1944 geborene Liedermacherin mit ihren essayistischen Ausführungen und stilsicherem Auftritt jedoch von ganzem Herzen. Dazu gesellte sich auch die markig-mutmachende Hymne "Am End' von de Nacht werd's doch widder hell": Im Kurpfälzer Dialekt mokierte sich Joana über einen Tag, in dem scheinbar der Wurm steckt.

Der Kaffeeautomat spuckt Spülwasser aus, der Schuhabsatz bricht ab, die feine Bluse wird vom Bügeleisen zerstört - doch damit nicht genug: Das "Navi" verweist an den Nord-Ostsee-Kanal, aber Joana will "nur nach Frankenthal". All das ist aber trotzdem kein Grund zur Klage - "denn am End' von de Nacht werd's doch widder hell". Überhaupt gehörte die Mundart der in Bad Schönborn lebenden Interpretin fest zum Konzertprogramm: Über "seidelange Liwwesbriefe" informierte sie mit einer gerade dem Dialekt anzulastenden herzlichen Direktheit über Liebe, (Un-)Treue, Sehnsucht und auch die Sünde.

Dazu passte auch eine Anekdote, mit denen Joana auf ihre Konzerte im Norddeutschen zu sprechen kam: So habe man sie im Raum Hannover einmal mit einem Dank für das "schöne Schwäbisch" verabschiedet ... - was die Sängerin aber mit Humor nahm: "Die Hauptsache ist zu wissen, was ein Dialekt ist - ein Element, in dem die Seele ihren Atem schöpft". Trotz aller Liebe zu Heimat und Mundart gehörten aber auch rein hochdeutsche Schlager zum gut besuchten Abend.

Zum Beispiel wäre da noch das "Reha-Lied" zu nennen. Damit verbindet Joana eine besondere Geschichte: Sie habe es, wie sie dem Publikum erklärte, "während einem Reha-Aufenthalt" verfasst. Die geradezu gigantische Satire zog schließlich sämtliche Register und berichtete mit spitzer Feder und viel Humor über ein Spital, "wo man nicht noch mehr Hagebuttentee runterkriegt", Schwester Angelina mit der Spritze täglich grüßt und "selbst schwarzer Humor immer blasser wird".

Eine gemütliche und zugleich tiefsinnige Botschaft für den Alltag gab es mit dem Titel "Wenn ich schlafe, schlafe ich, und wenn ich aufsteh', steh' ich auf": Oft ist es doch viel erquicklicher, den Tag etwas gediegener anzugehen und auch mal "fünfe gerade sein zu lassen". Zarte Akkorde von Adax Dörsam setzten hier den treffenden Kontrastpunkt zu den eindringlichen Worten Joanas. Apropos: Adax Dörsam unterhielt nach der Pause das Publikum immer wieder mit kleinen musikalischen Ausflügen, bei denen Rockklassiker im Mittelpunkt standen.

Augenzwinkernde Ode
Das Titellied "Ich staune bloß" verstand sich als augenzwinkernde Ode an die enteilenden Jahre: So wächst die Stufenhöhe der Treppe "analog mit der Anzahl der Kerzen auf dem Geburtstagskuchen", wohingegen die Lettern in den Zeitungen immer kleiner werden.

Ein herrlich humoriges Kleinod war auch die mit interessanter Percussion durch Adax Dörsam unterlegte Ballade über die Erlebnisse einer Bahnfahrt von "Meenz nach Monnem", das Lied hieß schlicht "Handy vergesse" und zeigte, wie abhängig man doch oft von der Kommunikationselektronik ist.

Krönender Abschluss war das Lied "Von guten Mächten wunderbar getragen" nach einem Text von Dietrich Bonhoeffer, das eine meditative Stimmung im Saal verbreitete.

Joana verstand es, dem Publikum mit Anmut und Feinfühligkeit "musikalische Geschichten aus dem Leben" nahe zu bringen. Da war jedes Lied ein Volltreffer für die Geschmacksnerven der Zuhörer: Auf Hochdeutsch - und auf Kurpfälzisch. ad

© Fränkische Nachrichten, Montag, 14.03.2016 | Mit freundlicher Genehmigung