Versorgungslücke wurde geschlossen

ODENWALD-HOSPIZ ERWEITERT: Neues Areal am Samstag eingeweiht / Gebäude beherbergt Gemeinschafts- und Rückzugsräume

2014-09-29-Eröffnung-Odenwald-Hospiz

Zur Einweihung des neuen Gebäudes des Odenwald-Hospizes überreichten Architekt Thomas Link und seine Assistentin Claudia Beyer-Kuhnt einen Schlüssel aus Hefe an Pflegedienstleiterin Magdalena Baier und Geschäftsführerin Michaela Kobold. © Brosch

WALLDÜRN. Gut eineinhalb Jahre nach dem Beginn der Bauarbeiten wurde bei einer Feierstunde am Samstagvormittag das neue Gebäude des Odenwald-Hospizes offiziell seiner Bestimmung übergeben.

In der ehemaligen Kapelle "Maria Rast" richtete, nach kurzem musikalischem Intro seitens des Fördervereins "Odenwald-Hospiz", dessen Vorsitzender Helmut Greulich das Wort an das Publikum sowie an die aus Kommunalpolitik, Verwaltung, Paritätsbereich, Klerus und Wirtschaft stammenden Ehrengäste.

Er wies darauf hin, dass man sich mit der Einweihung des neuen Anwesens einen "Tag der Dankbarkeit" im Kalender anstreichen könne: "Es ist eine Versorgungslücke geschlossen worden", bemerkte Greulich und würdigte die Bauherren Christa und Dieter Weiß.

Die Ansprache von Bürgermeister Markus Günther übermittelte nicht nur die Grüße des Gemeinderats, sondern auch "große Freude und das Anliegen, persönliche Worte der Anerkennung" auszusprechen, wie Günther erklärte.

"Hospizhäuser reichen Menschen in den letzten Stunden des Lebens die Hand - dadurch ermöglichen sie einen Abschied in Würde", führte er aus und wies darauf hin, dass "individuelle Lebenswege auch individuelles Abschiednehmen verdienen".

Ein "starkes Zeichen" sei es, dass gerade während der letzten Dekade die Hospizarbeit - nicht nur in der Heimatregion - einen beachtlichen Aufwind erfahren habe; als erfreulicher Zenit dessen könne schließlich das neue Areal in der Pater-Josef-Eckstein-Straße beispielhaft betrachtet werden.

Pfarrer Karl Kreß verpackte seine guten Wünsche in eine kompakte, besonders ergreifende Rede, in welcher er den Tod als "Vollendung in Würde" definierte und darauf zu sprechen kam, dass man gerade in der Zeit, in der es immer strikter auf den Heimgang eines Menschen zuginge, sich intensiver mit dem Hinterfragen seiner eigenen Persönlichkeit auseinandersetze. Auch sicherte er zu, dass die Walldürner Kirchen, sollte dies gewünscht sein, immer dazu bereit seien, die Hospizarbeit und die sich im neu errichteten Gebäude befindlichen Personen begleitend zu unterstützen.

Landrat Dr. Achim Brötel betonte anschließend die Freude, die auch ihn angesichts der Einweihung der neuen Räumlichkeiten erfülle: "Das ist ein Tag, der Akzente setzt", sagte er, "besonders, da es eine solche Einrichtung hier bisher noch nicht gab". Brötel fuhr in dem Sinne fort, dass es in der schwierigen Situation des Abschiednehmens "ein wahrer Segen" sei, wenn ein Platz existiere, der dem Sterbenden, aber auch seiner Familie Geborgenheit und Kraft spenden könne. Über diesen Ausspruch zeigte er auf, dass das neue Odenwald-Hospiz als eine solche segensreiche Stätte zu definieren sei.

"Bemerkenswerte Leistung"

Ebenso sprach er Michaela Kobold, Magdalena Baier, Christa und Dieter Weiß sowie Helmut Greulich und auch der Stadt Walldürn, welche den Bau des Hospizes maßgeblich vorangetrieben und stets mit Wohlwollen unterstützt hatte, seine Anerkennung aus. Es sei eine bemerkenswerte Leistung der am Bau beteiligten Firmen, dass man "hier und heute" die Übergabe des neuen Gebäudes begehen könne.

Für den Festvortrag hatten die Verantwortlichen Bundestagsabgeordnete Dr. Dorothee Schlegel nach Walldürn eingeladen. Sie berief sich in ihrer mannigfaltigen Ausarbeitung auf den Satz "Jeder Tag ist ein Geschenk". Man möge seinem Dasein auf Erden mehr Farbe und Freude verleihen. So käme es laut Schlegel "nicht auf die erbrachten Leistungen, sondern eher auf den persönlich als wertvoll erkannten Inhalt" der Tage an.

Pflegedienstleiterin Magdalena Baier brachte die Anerkennung seitens der Mitarbeiter zum Ausdruck, ehe die symbolische Übergabe eines Hefezopfs in Schlüsselform an Magdalena Baier und Geschäftsführerin Michaela Kobold stattfand. Sie erfolgte durch Architekt Thomas Link, der Architektin Claudia Beyer-Kuhnt und den zuständigen Bauleiter Alfred Faulhaber. Untermalt wurde die Veranstaltung durch ein Ensemble der örtlichen Musikschule.

Segnung und Rundgang

Gegen Mittag segneten Stadtpfarrer Pater Josef Bregula und Pfarrer Karl Kreß die neuen Räumlichkeiten. Während eines ersten Rundganges konnte man sich danach vorab ein Bild über die örtlichen Gegebenheiten verschaffen. Hier stachen besonders der "Raum der Stille" sowie der Gemeinschaftsraum hervor; letzterer wird als "Wohnzimmer" bezeichnet und stellt mit Kamin und Terrasse den Kontrastpunkt zum "Raum der Stille" dar. Dieser hingegen soll den Patienten und deren Angehörigen die Gelegenheit bieten, in völliger Ruhe und Abschottung neuen Mut zu fassen. Grundsätzlich, so die Verantwortlichen, sei es auch denkbar, den "Raum der Stille" für Gottesdienste zu nutzen. ad

© Fränkische Nachrichten, Montag, 29.09.2014
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