Von der Geburt bis zum letzten Atemzug

Anlässlich des zweijährigen Bestehens des Odenwald Hospiz gestaltete dessen Förderverein am Sonntag im katholischen Pfarrsaal unter dem Motto "Es ist ein Kommen und Gehen" ein Programm mit den Themenschwerpunkten "Geborenwerden", "Leben" und "Sterben". Dass die Veranstaltung schon vor deren Beginn ausverkauft war, bestätigte das große Interesse vieler einheimischer und auswärtiger Besucher an der Auseinandersetzung mit dem Thema "Tod". Die Gäste nutzten die Gelegenheit, Berührungsängste abzubauen und die Arbeit des Odenwald Hospiz näher kennenzulernen.

Im Verlauf des Programms trugen Stefan-Müller-Ruppert als Sprecher und Sänger und dessen Sohn Bastian als Instrumentalist (E-Gitarre) Texte, Lieder und Melodien vor, in denen das ganze Leben von der Geburt bis zum letzten Atemzug in den Blick genommen wurde. Die Absicht der Künstler war es, das Leben in seiner Gesamtheit wahrzunehmen und zu verdeutlichen, dass gerade in den Momenten des Abschieds immer wieder auch Gedanken an schöne und schwere Stunden im Leben aufeinandertreffen.

Zunächst begrüßte jedoch Stadtpfarrer Pater Josef Bregula im Namen des Fördervereins die Besucher, darunter die Bundestagsabgeordneten Dr. Dorothee Schlegel und Alois Gerig, den Landtagsabgeordneten Georg Nelius sowie Bürgermeister Markus Günther. Mit Blick auf das Motto des Abends ging Pater Josef auf das "Kommen und Gehen" im Odenwald Hospiz ein. Alleine im laufenden Jahr stehe im Bücherregal des Hospizes bereits das vierte Gedenkbuch mit den Namen und Zimmerkarten der Gäste, die dort ihren letzten Lebensabschnitt verbrachten. Dies zeige, wie wichtig diese Einrichtung und wie treffend der Titel der Veranstaltung gewählt sei.

In seiner Einleitung gab Stefan Müller-Ruppert zu, dass es ihm schnell klar gewesen sei, dass ein Progrkommen_gehenamm zu einem solchen Thema nur funktionieren könne, wenn auch entsprechende Lieder mit ins Programm eingebunden werden. Deshalb habe er seinen Sohn mit ins Boot genommen. Ebenso klar sei ihm bei der gedanklichen Auseinandersetzung mit dem Thema auch gewesen, dass das Geborenwerden zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Tod dazu gehöre. Und letztlich sei ihm bewusst gewesen, dass das Publikum am Ende der Veranstaltung mit hängenden Köpfen nach Hause gehen dürfe und deshalb ein nicht ganz humorloser Umgang mit dem Thema notwenig sei.

Entstanden ist letztlich ein Programm der Vielfalt tiefer menschlicher Gefühle, denen Stefan Müller-Ruppert als Moderator, Rezitator und Sänger 90 Minuten lang auf höchstem Niveau einfühlsam Ausdruck verlieh. Begleitet wurde er von seinem Sohn Bastian an der E-Gitarre. Binnen kürzester Zeit übertrug sich die Stimmung auf die Gäste im Saal.

Erfolglose Ablehnung
"I will net!" - mit diesem vitalen Gedankenfluss aus der Feder des bayrischen Volksschauspielers Karl Obermayer hieß Stefan Müller-Ruppert das Publikum willkommen. Mit diesem Text machte er die verständliche, allerdings erfolglose Ablehnung des Sterbens deutlich.
Danach verfolgte er mit einer gelungenen Auswahl treffender Texte und Lieder den Weg des Menschen von der Geburt bis zum Tod, beginnend mit dem anrührenden Gedicht "Nahe unter Mutters Herzen" und dem Lied "Hey kleiner Fratz". Dieses beginnende Leben wurde im darauffolgenden Gedicht "Lebenssturm" von Manfred Hepperle eindrucksvoll beschrieben, und danach warnte dann das von Bettina Wegner stammende Lied "Sind so kleine Hände" vor verfehlten Erziehungsmaßnahmen.

Zu begeistern wusste Stefan Müller-Ruppert mit dem aus der Feder von Reinhard Mey stammenden Lied "Du bist ein Riese, Max" und dem Zwillingszwiegespräch im Bauch der Mutter "Gibt es ein Leben nach der Geburt". Im Programm nicht fehlen durfte auch der Heimatdichter Harald Hurst, mit dessen Bestandsaufnahme vom "Dreikäshoch".

Weiter ging es mit dem Lied "Der Mann am Fenster", das den Weg in ein anderes Alter deutlich werden ließ, und auch die darauffolgenden Gedichte von Erika Pluhar, Joseph Eichendorff und Theodor Fontane handelten von zunehmend gebrechlicher werdenden Menschen. Das aus Afrika stammende Lied "Selig sind, die..." leitete zu den Beiträgen über, die sich mit dem Sterben auseinandersetzten. Wie etwa Franz Schubert die Furcht, aber auch das Tröstliche des Sterbens verarbeitete, war dem Lied "Der Tod und das Mädchen" zu entnehmen. Oder in welch populärer Form in Wien mit dem Tod umgegangen wird, verdeutliche Stefan Müller-Ruppert mit dem Hermann-Hesse-Gedicht "Stufen".

Zum Abschluss attestierte der Vorsitzende des Fördervereins, Helmut Greulich, den beiden Hauptakteuren, mit der Konzeption ihres Programms dazu beigetragen zu haben, Berührungsängste abzubauen. Sein Dank galt zudem allen Beteiligten, die zum Gelingen des Abends beigetragen haben. Schließlich klang die Veranstaltung mit der Zugabe "Am Ende kommt immer der Schluss" von Max Raabe aus.

© Fränkische Nachrichten, Mittwoch, 19.10.2016