Walldürn: Odenwald-Hospiz ermöglicht Abschied in Würde

Das Odenwald-Hospiz in Walldürn hat am Samstag seine Pforten geöffnet - Ein Abschied in Würde wird ermöglicht

Wallduern

Das Odenwald-Hospiz wurde seiner Bestimmung übergeben: Die Architekten Thomas Link und Claudia Beyer-Kuhnt überreichten den symbolischen Schlüssel an Geschäftsführerin Michaela Kobold (l.) und Pflegedienstleiterin Magdalena Baier (r.). Foto: A. Brosch

Walldürn. (adb) Gut eineinhalb Jahre nach dem Beginn der Bauarbeiten wurde am Samstagvormittag im Rahmen einer kleinen Feierstunde das Odenwald-Hospiz offiziell seiner Bestimmung übergeben. Im Beisein zahlreicher Gäste wurde die Bedeutung der Einrichtung für die Menschen in der Region herausgestellt. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung durch ein Ensemble der örtlichen Musikschule.

In der ehemaligen Kapelle "Maria Rast" hieß seitens des Fördervereins "Odenwald-Hospiz" e.V. Vorsitzender Helmut Greulich die Gäste willkommen und wies darauf hin, dass man sich mit der Einweihung des neuen Anwesens einen "Tag der Dankbarkeit" im Kalender anstreichen könne: "Es ist eine Versorgungslücke geschlossen worden", bemerkte Greulich und dankte vor allem den Bauherren Christa und Dieter Weiß, denen er für ihr selbstloses Engagement ein herzliches "Vergelt's Gott" aussprach.

Die Ansprache von Bürgermeister Markus Günther verdeutlichte "große Freude und das Anliegen, persönliche Worte des Dankes sowie der Anerkennung" auszusprechen. "Hospizhäuser reichen Menschen in den letzten Stunden des Lebens die Hand - dadurch ermöglichen sie einen Abschied in Würde", bemerkte er und wies darauf hin, dass "individuelle Lebenswege auch individuelles Abschiednehmen verdienen". Ein "starkes Zeichen" sei es, dass gerade während der letzten Dekade die Hospizarbeit einen beachtlichen Aufwind erfahren habe; hierfür könne das neue Areal in der Pater-Josef-Eckstein-Straße beispielhaft betrachtet werden.

Pfarrer Karl Kreß verpackte seine guten Wünsche in eine kompakte, ob ihrer pragmatischen Schlichtheit besonders ergreifende Rede, in welcher der Geistliche den Tod als "Vollendung in Würde" definierte und darauf zu sprechen kam, dass man gerade in der Zeit, in der es immer strikter auf den Heimgang eines Menschen zugehe, sich intensiver mit dem Hinterfragen seiner eigenen Persönlichkeit nach dem Motto "Wer bin ich eigentlich?" auseinandersetze. Auch sicherte er zu, dass die Walldürner Kirchen immer dazu bereit seien, die Hospizarbeit begleitend zu unterstützen.

Landrat Dr. Achim Brötel betonte anschließend die Freude, die auch ihn angesichts der Einweihung der neuen Räumlichkeiten erfülle: "Das ist ein Tag, der Akzente setzt", sagte er, "besonders, da es eine solche Einrichtung hier bisher noch nicht gab." Brötel fuhr in dem Sinne fort, dass es in der schwierigen Situation des Abschiednehmens "ein wahrer Segen" sei, wenn ein Platz existiere, der dem Sterbenden, aber auch seiner Familie Geborgenheit und Kraft spenden könne. Über diesen Ausspruch zeigte er auf, dass das neue Odenwald-Hospiz als eine solche segensreiche Stätte zu definieren sei. Ebenso sprach er Michaela Kobold, Magdalena Baier, Christa und Dieter Weiß sowie Helmut Greulich und auch der Stadt Walldürn, die den Bau des Hospizes maßgeblich vorangetrieben und stets mit Wohlwollen unterstützt hatte, seinen aufrichtigen Dank aus.

Für den Festvortrag hatten die Verantwortlichen MdB Dr. Dorothee Schlegel nach Walldürn eingeladen; sie berief sich auf das Thema "Jeder Tag ist ein Geschenk". Man möge seinem Dasein auf Erden mehr Farbe und Freude verleihen; so käme es laut Schlegel, die ihre Rede mit einigen Zitaten großer Meister würzte, "nicht auf die erbrachten Leistungen, sondern eher auf den persönlich als wertvoll erkannten Inhalt" der Tage an.

Pflegedienstleiterin Magdalena Baier brachte den Dank aus Sicht der Mitarbeiter zum Ausdruck, ehe die symbolische Übergabe eines "essbaren" Schlüssels an Magdalena Baier und Geschäftsführerin Michaela Kobold stattfand. Die Schlüsselübergabe erfolgte durch Architekt Thomas Link, seine Mitarbeiterin, Architektin Claudia Beyer-Kuhnt, und den zuständigen Bauleiter Alfred Faulhaber.

Gegen Mittag segneten Stadtpfarrer Pater Josef Bregula und Pfarrer Karl Kreß die neuen Räumlichkeiten mit einer kurzen Andacht. Während eines ersten Rundgangs konnte man sich danach ein Bild über die örtlichen Gegebenheiten verschaffen. Hier stachen besonders der "Raum der Stille" sowie der Gemeinschaftsraum hervor; letzterer wird als "Wohnzimmer" bezeichnet und stellt mit Kamin und Terrasse den Kontrastpunkt zum "Raum der Stille" dar. Dieser hingegen soll den Patienten und deren Angehörigen die Gelegenheit bieten, in völliger Ruhe und Abschottung neuen Mut zu fassen. Grundsätzlich, so die Verantwortlichen, sei es auch denkbar, den "Raum der Stille" für Gottesdienste zu nutzen. Mit einer kleinen Stärkung fand die Veranstaltung ihren Ausklang.

Fi Info: Anmeldungen für das Odenwald-Hospiz werden wie folgt entgegengenommen: Tel. 06282/926430, Fax: 06282/ 92643-111, E-Mail: info@odenwald-hospiz.de.

© Rhein-Neckar-Zeitung, 29.09.2014
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