Walldürner Odenwald-Hospiz öffnet in einer Woche

Pflegeteam hat bereits die Arbeit aufgenommen - Ein Ort der Geborgenheit wurde geschaffen

Wallduern

In einer Woche wird das Odenwald-Hospiz in Walldürn eröffnet. In der Einrichtung sollen sterbende Menschen auf ihrem letzten Lebensweg eine intensive, familiäre Begleitung erfahren. Foto: R. Busch

Walldürn. (rüb) "Ich freue mich, dass es bald losgeht. Denn ein solches neu errichtetes Haus eröffnen zu dürfen, das ist wie ein Geschenk." Pflegedienstleiterin Magdalena Baier ist angetan von den Möglichkeiten, die ihr neuer Arbeitsplatz bietet - nämlich ideale Voraussetzungen, um Menschen auf ihrem letzten Lebensweg zu begleiten. Gut eine Woche vor Eröffnung des Odenwald-Hospizes in der Pater-Josef-Eckstein-Straße Walldürn sind die Bauarbeiten größtenteils abgeschlossen. Was hier in den zurückliegenden 16 Monaten geschaffen wurde, ist ein Ort der Geborgenheit.

Am Montag hat das derzeit siebenköpfige Pflegeteam die Arbeit aufgenommen. Geschäftsführerin Michaela Kobold und Pflegedienstleiterin Magdalena Baier stellten den Mitarbeiterinnen - allesamt Fachkräfte - die Räume vor. Außerdem wurden Dienstpläne erstellt, Einweisungen durchgeführt und die Gästezimmer für den Erstbezug vorbereitet.

Auch wenn bereits erste Voranmeldungen vorliegen, ist die Personalstärke für den Auftakt auf jeden Fall ausreichend. Später soll die Zahl der Beschäftigten aber noch erhöht werden, wie Magdalena Baier im Gespräch mit der RNZ deutlich macht.

Die Arbeit in einem Hospiz stellt für die neue Pflegedienstleiterin eine neue Herausforderung dar. Zuvor hat sie auf einer Intensivstation gearbeitet. Zur Vorbereitung auf ihres neues Betätigungsfeld hat sie jedoch mehrere Hospize besucht und sich entsprechend informiert. Magdalena Baier und ihre Mitarbeiterinnen sind für die anstehenden Aufgaben erstklassig ausgebildet, einige der Pflegekräfte verfügen zusätzlich über eine Weiterbildung in Palliativpflege.

Anders als im Krankenhaus geht es im Hospiz nicht darum, einen Patienten zu heilen, sondern einem Sterbenden auf dem letzten Weg zu unterstützen. "Wir können uns im Hospiz anders als im Krankenhaus viel Zeit nehmen für die Gäste, für ihre Wünsche und auch für die Angehörigen", weiß Magdalena Baier. Zeit, von der die Sterbenden, aber auch ihre Familie profitieren. "Wir möchten die Angehörigen von der Pflege entlasten, so dass sie sich ganz den Kranken widmen können", ergänzt der Vorsitzende des Fördervereins Odenwald-Hospiz, Helmut Greulich.

"Die Gäste sollen sich wie zu Hause fühlen", gibt Magdalena Baier die Zielrichtung vor. Angebote wie Aroma- oder Musiktherapie sollen dazu beitragen. Auch aus baulicher Sicht wurde dafür alles getan. Denn was sich beim Baustellenrundgang Anfang August bereits erahnen ließ, ist nun, kurz vor der Eröffnung, Wirklichkeit geworden: Es ist ein Ort der Geborgenheit entstanden, eine Einrichtung, die mit viel Leidenschaft und dem Blick fürs Detail geplant und errichtet wurde - und in der der Mensch im Mittelpunkt steht.

Das Odenwald-Hospiz bietet zehn Pflegeplätze. Jedes Zimmer ist mit einem separaten Bad und einer Terrasse ausgestattet. Großer Wert wurde auf eine umweltfreundliche und sparsame Technik gelegt. Die Beheizung erfolgt mittels Erdwärme, mit der im Sommer auch für ein angenehm kühles Raumklima gesorgt werden kann.

Auffallend sind der gelungene Einsatz von Farbakzenten in den Räumen und im hellen, freundlichen Flur sowie das überall vorhandene Tageslicht, das die wohlige Atmosphäre verstärkt, ebenso wie die verwendeten Materialien.

Eine Besonderheit ist der als "Wohnzimmer" bezeichnete Gemeinschaftsraum, der über einen Kamin und riesige Fensterfronten und eine vorgelagerte Terrasse verfügt. Eine warme Farbgebung, eine durchdachte Beleuchtung und ein besonderes Flair zeichnen den "Raum der Stille" aus, der es Patienten und Angehörigen ermöglicht, in Ruhe und Besinnung Kraft zu schöpfen. Im Obergeschoss wurde ferner ein Appartement für Angehörige eingerichtet.

Das Odenwald-Hospiz nimmt den Betrieb am 1. Oktober auf und schließt damit in der weiteren Region eine große Angebotslücke. Am 27. September ist die offizielle Einweihung geplant, am 28. September kann sich die Bevölkerung bei einem Tag der offenen Tür informieren.

Träger des Hospizes ist eine gemeinnützige GmbH mit den Gesellschaftern "Odenwald-Hospiz-Verein", "Förderverein Odenwald-Hospiz" und Christa Weiß (Walldürn). Da eine solche Einrichtung nicht kostendeckend zu betreiben ist, müssen jährlich rund zehn Prozent der Betriebskosten durch Spenden aufgebracht werden. Hier leistet der Förderverein mit Helmut Greulich an der Spitze wertvolle Arbeit.

Umso mehr freuen sich die Verantwortlichen über die Vielzahl an Aktivitäten von vereinen, Privatpersonen und Firmen. Ganz aktuell sind zwei Aktionen beim Walldürner Herbst geplant: Die Walldürner Bäcker werden Zwiebelkuchen verkaufen, und die Frauengemeinschaft Kaffee und Kuchen. Die Erlöse sind jeweils für den Hospiz-Förderverein gedacht. Zwei von vielen Ideen, die durchaus weitere Nachahmer finden dürfen.

Info: Das Odenwald-Hospiz ist unter Tel. 06282/926430 zu erreichen. Weitere Informationen gibt es unter odenwald-hospiz.de.

© Rhein-Neckar-Zeitung, 22.09.2014
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