Wo die alte Mark noch etwas bewirkt

Sammelaktion der Sparkasse: Am 1. März beginnt eine Sammelaktion in allen Sparkassen-Geschäftsstellen für das Odenwald-Hospiz in Walldürn

Von Ursula Brinkmann

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Wünschen sich in die roten Sparkassen-Schweinchen viele D-Mark für das Odenwald Hospiz: Gerhard Stock, Dr. Dorothee Schlegel, Alois Gerig, Helmut Greulich und Herbert Kilian. © Ursula Brinkmann

WALLDÜRN/MOSBACH. "Deutsche horten fast 13 Milliarden D-Mark". Die Schlagzeile in der "Stuttgarter Zeitung" Ende vergangenen Jahres machte die Bundestagsabgeordnete Dr. Dorothee Schlegel (SPD) hellhörig. Zwei Monate zuvor, im Oktober, war in Walldürn das erste stationäre Hospiz im Neckar-Odenwald-Kreis eröffnet worden. Und im Bundestag wurde - fraktionsungebunden - über Sterbehilfe debattiert.

Für Dorothee Schlegel, als Religionspädagogin und Prädikantin ohnehin sensibel für das Thema Leben in seiner ganzen Zeitspanne und also auch für dessen Ende, fügte sich das Allgemeine (Sprechen über Leben und Tod) mit dem Nationalen (Sterbehilfedebatte) und dem Lokalen (Odenwald Hospiz in Walldürn) zusammen. Als dann noch zwischen den Jahren ein Zehn-Mark-Schein beim Aufräumen auftauchte, war für die Billigheimerin klar, dass etwas geschehen müsse.

Alois Gerig (CDU), wie Schlegel für den Wahlkreis Odenwald-Tauber im Bundestag vertreten, ließ sich - ganz Großkoalitionär - schnell anstecken und beruft sich auf die Verfassung: "Die unantastbare Würde gilt von der Geburt bis zum Sterben." Wo dies möglich ist, im Hospiz, wird aber auch Geld gebraucht. "Zwar tragen die Krankenkassen den größten Teil der Kosten und übernehmen 90 Prozent des Pflegesatzes, doch für die restlichen zehn Prozent der Betriebskosten muss das Hospiz selbst aufkommen."

Helmut Greulich ist der Vorsitzende des Fördervereins Odenwald Hospiz und bezifferte das geschätzte jährliche Defizit mit rund 100 000 Euro. Hier für Ausgleich zu sorgen, das ist der Sinn einer Sammelaktion, die am 1. März in allen Geschäftsstellen der Sparkasse Neckartal-Odenwald beginnt und vier Monate dauern soll. Und damit kommen die Markstücke und -scheine ins Spiel.

Kontinuierlich kommen Kunden in die Niederlassungen, um unvermutet auftauchende D-Mark in Euro zu tauschen oder weil die Enkel die ausgediente Währung doch nicht wollen. Mal mehr, mal weniger. "Erst vor einigen Tagen", so der Sparkassen Direktor Gerhard Stock, "kamen in unseren Filialen rund tausend Mark zusammen."

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Am 1. März beginnt in den Filialen der Sparkasse Neckartal-Odenwald eine Sammelaktion, deren Erlös dem Odenwald-Hospiz zugutekommt. © Ursula Brinkmann

Dezente Aufforderung

Dieses Geld nun dem Odenwald Hospiz zugutekommen zu lassen, dazu sind die Kunden aufgefordert, dies sehr dezent. An den Schaltern stehen rote Sparschweine mit Odenwald Hospiz-Aufkleber, in die man seine alten Münzen und Scheine stecken kann, und Plakate werben für die Idee. "Wir nehmen für das Hospiz aber auch Euro an", möchte Stock der Spendenfreudigkeit den Weg ebnen. Neben der wichtigen finanziellen Unterstützung des Odenwald Hospiz ist es allen an der Aktion Beteiligten ein Anliegen, dass diese Einrichtung bekannter wird. "Bis vor wenigen Monaten gab es in der stationären Hospizarbeit im Neckar-Odenwald-Kreis nur einen weißen Fleck", begrüßte Herbert Kilian die Aktion.

"So was gibt's auch"

Er ist der Vorsitzende des Odenwald Hospizvereins und macht seine Arbeit wie Greulich ehrenamtlich. Für die zehn Plätze im Hospiz aber werden elf bis zwölf Vollzeitkräfte gebraucht. Man hofft daher auf einen "ansehnlichen Betrag, um dem Leben eine gute Qualität bis zum Ende zu geben."

Im Mittelpunkt der Pflege und Betreuung stehe der Mensch, um ihm am Lebensende ein friedvolles Sterben in Würde zu ermöglichen, heißt es auf der Homepage des Odenwald Hospiz (www.odenwald-hospiz.de). Es konnten jedoch schon mal zwei Gäste entlassen werden. "So was gibt's auch", schilderte Kilian einen nicht alltäglichen Aspekt der Hospiz-Arbeit.

"Auch letzte Tage können schön gestaltet sein", machte Dr. Schlegel deutlich, was ihr, der Sprachwissenschaftlerin, eine Herzensangelegenheit ist: Das Sterben aus der Tabu-Zone zu holen, darüber zu sprechen, sich auseinanderzusetzen mit der eigenen Endlichkeit. "Das können schon junge Leute tun." Im und für das Odenwald Hospiz gibt es vielfältige Gelegenheit dazu, in den Sparkassen der Region nun auch. ubr

© Fränkische Nachrichten, Donnerstag, 19.2.2015
Mit freundlicher Genehmigung
www.fnweb.de/region/neckar-odenwald/walldurn/wo-die-alte-mark-noch-etwas-bewirkt-1.2116430

© Rhein-Neckar-Zeitung, Donnerstag, 19.2.2015
Mit freundlicher Genehmigung
www.rnz.de/nachrichten/mosbach_artikel,-Jetzt-alte-D-Mark-fuer-das-Odenwald-Hospiz-in-Wallduern-spenden-_arid,77214.html