„In der Heimat isses schää“

Ein volles Haus bescherte am Sonntagabend die kurpfälzer Sängerin und Liedermacherin Joana in kongenialer instrumentaler Begleitung durch den Ausnahme-Gitarristen Adax Dörsam in der Kapelle Maria Rast dem Hospizverein und dem Förderverein Odenwald Hospiz als Veranstalter.

Der Gitarrist Adax Dörsam und die Sängerin und Liedermacherin Joana begeisterten ihre Fans in der Kapelle Maria Rast in Walldürn. BILDER: Bernd Stieglmeier

Nach ihrem ersten Auftritt 2016 an gleicher Stelle präsentierte sich Joana dieses Mal mit ihrem neuen Programm „In der Heimat isses schää – Lieder für Eingeborene, Zugezogene und Fortgegangene“. Dabei gelang es ihr immer wieder, Konventionelles mit Kabarettistischem und nachdenkliches Schweigen mit befreiendem Lachen zu konter – sei es in feinstem Hochdeutsch, oder auch in perfektem Kurpfälzisch.

Sowohl die „Dialektfreien“ als auch die „Freunde vun derre schääne Schbrooch“: Ein jeder kam bei dem Konzertabend, der tiefsinnige Texte und Live-Musik vom Feinsten von der ersten bis zur letzten Minute bot, voll auf seine Kosten.

Am Anfang des Konzertabends stand jedoch zunächst das gesprochene Wort. Helmut Greulich, Vorsitzender des Fördervereins „Odenwald-Hospiz Walldürn“, teilte dabei erfreut mit, dass aufgrund dreier großzügiger Spender – darunter Volksbank und Sparkasse – die Kosten des Konzertabends bereits gedeckt seien, so dass die Eintrittsgelder und der Erlös aus der Bewirtung vollständig der Arbeit des Odenwald Hospizes zufließen würden.

Nach der Begrüßung gewährte das erste Lied von Joana über die „kleine Chansonette“ Blicke hinter die Kulissen des Showgeschäfts „als Frau“, das alle Klischees genüsslich auf die Spitze trieb. Dazu gesellte sich ihre markig-mutmachende und in perfektem kurpfälzer Dialekt vorgetragene Refrain-Hymne „Am End von de Nacht werd’s doch widder hell“.

„Bluesig“ wurde es, als die als „Mannemer Bloomaul“ ausgezeichnete Sängerin „Mei Sprooch, ihr Leut, is de Blues – die derf mer net von vorne runner höre“ präsentierte.

Großartigen dann ihr während eines Reha-Aufenthaltes verfasstes Lied über kulinarische Wellness-Wohlfühl-Varianten von Salat für alle Altersgruppen und über ein Spital, „wo man nicht noch mehr Hagebuttentee runterkriegt“ und Schwester Angelina täglich mit der Spritze grüßt.

Poetisch ging es weiter mit einem von Joana rezitierten Gedicht von Sigrid Grabert: „Vom Verschwinden der Gegenwart“. Diesem schloss sich als Liedbeitrag der Ausflug einer jungen Frau aus der Großstadt zu ihrer alten Mutter auf dem Land an. Er machte deutlich, dass der Lebensalltag doch von den einen oder anderen Menschen oftmals aus einer anderen Sicht gesehen wird.

Recht kritische hinterfragte Joana die Tatsache, warum es vielen Menschen oftmals nicht gelingt, mit ihrem Partner im Laufe des Jahres einen gemeinsamen Urlaub zu verbringen: Ist es der Beruf, ist es die berufliche Karriere – oder was könnten es sonst noch für welche Gründe sein? Zeitkritisch dann auch: „Das Leben ist schaurig, ich fühl mich allein – dein Abgang war kläglich, mein Aufstieg grandios – ich rufe drei Mal Hurra – ich bin dich nun los!“

Grandios und beeindruckend war der solistische Auftritt von Gitarrist Adax Dörsam, der 1974 sein Studium mit dem Schwerpunkt klassische Gitarre an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Mannheim abschloss, danach als Banjospieler im Nationaltheater Mannheim arbeitete und gleichzeitig in Rock- und Bluesbands in der Mannheimer- und Odenwälder Szene sowie von 2009 bis 2011 als festes Mitglied der Band von Xavier Naidoo tätig war. In der Kapelle Maria Rast präsentierte er sein Können mit seiner 22-seidigen Harfen-Zysla mit dem Titel „Wolken-Gespräch“.

Mit der von Joana vorgelesenen Geschichte des Schriftstellers Robert Walser – „Das Lachen“ –, dem Lied „Ich staune bloß“, das sich als augenzwinkernde Ode an die enteilenden Jahre verstand, sowie mit dem Titel „Am End von de Nacht werd’s doch widder hell“, ging es in die Pause.

In die zweite Konzerthälfte startete Joana mit dem Lied „Erst eine Sekunde der Ewigkeit vorbei“. Weiter ging es musikalisch und instrumental mit „Vom Geld“ und „Von den freien Gedanken und vom Grundrecht der Gleichheit und Freiheit“.

Der nächste, von der Sängerin und Liedermacherin textlich völlig abgewandelte und auf original „monnemerisch“ dargebotene Liedbeitrag – „Komm, wir machen eine Reise“ –, erinnerte an die Nachkriegsjahre. Im Anschluss reichte die weitere Themenpalette von der skurrilen Vorstellung vom außergewöhnlichen Gebrauch eines Staubsaugers, „der sogar Sünden saugen kann“, bis hin zu einem hartnäckigen Tierchen, dem Ohrwurm.

Eine gemütliche und zugleich tiefsinnige Botschaft für den Alltag versuchte Joana an diesem Konzertabend mit dem Titel „Wenn ich schlafe, schlafe ich, und wenn ich aufsteh’ steh’ ich auf“ zu vermitteln. Zarte Akkorde von Adax Dörsam setzten hier wieder den treffenden Kontrastpunkt zu den eindringlichen Worten Joanas.

Monumental und unter die Haut gehend das ursprünglich von dem Sänger Otto Reuther stammende und von Joana neu gewandete Lied „Die Geschicht’ vom Herrn Ficht“, mit der Joana aufzuzeigen versuchte, dass Besitz terrorisieren kann.

Seinen Ausklang fand dieses Konzert schließlich mit dem Lied „Vom Froschkönig“, mit dem Gedicht der Schriftstellerin Hilde Domin – „Ziehende Landschaft“ –, sowie mit dem Titellied dieses Konzertabends: „In der Heimat isses schää“.

Nach dem nicht enden wollenden Schlussapplaus folgten mit „Und das Haar hängt nur im Wind“ sowie „Von guten Mächten wunderbar getragen“ zwei Zugaben – die von den beiden Künstlern auf der Bühne nur allzu gern gewährt wurden.

© Fränkische Nachrichten, Oktober 2022